Das Frappierende an Merkels Strategie ist, dass sie funktioniert. Statt über den Rettungsschirm wird mal wieder über den “Mindestlohn” diskutiert. Und weil man bei fünf ARD-Talk-Shows in der Woche ja über irgend etwas reden muss, redet man eben über den Mindestlohn. Mutti wirft den Brocken hin und die  ARD pariert.

Das Prinzip Talk Show ist prinzipiell ungeeignet, politische Sachfragen ernsthaft zu erörtern. Es ist selbst dem Stammtisch qualitativ unterlegen. Dort wissen die Diskutanten, dass sie nächste Woche wieder ein Bier miteinander trinken und sind um eine auskömmliche Diskussion bemüht.

Die Substanzlosigkeit der politischen Diskussion setzt sich in allen Medien fort. Ein Spin-Doktor wirft der Meute einen Knochen hin, die stürzt sich drauf und jede Lobby versucht, ihre Botschaft zu platzieren. Was nicht immer gelingt. Am Ende steht eine deformierte Realität, die durch eine vermeintliche Meinungsumfrage abgebildet wird, in der die Mehrheit der Leute einem unbekannten Anrufer lieber das erzählen, von dem sie vermuten, dass es von ihnen erwartet wird. Das macht keinen Ärger.

Vom Mindestlohn weiß man, dass er nicht funktioniert. Entweder ist er wie in Großbritannien bei unter sieben Euro und damit wirkungslos, weil die paar Leute, die weniger erwirtschaften. auch schwarz arbeiten können, ohne dass es der Gesellschaft schadet.

In den Gesellschaften Spaniens und Frankreichs sperrt der Mindestlohn die Jugendlichen aus, die am Anfang ihres Berufslebens die 9 oder 10 € nicht erwirtschaften können, die erwartet werden.

Von den vorgebenen Problemen löst der Mindestlohn keines. Der DGB fordert ein Mindesteinkommen von 8,50 €. Bei 8 Stunden täglicher Arbeit und 20 Arbeitstagen sind das rund 1300 € im Monat. Davon abgezogen werden 20% Sozialversicherung. Das macht aus dem Bruttolohn von 8,50 einen Stundenlohn von ca. 6.90 € oder ein Monatseinkommen von etwas unter 1100,00 €. Davon kann einer alleine gerade leben. Eine Familie natürlich nicht.

Der Arbeitnehmer kostet seinen Chef aber 20% mehr. Die muss er als Arbeitgeberanteil nur dann abführen, wenn der Arbeitnehmer das erwirtschaften kann. Damit steigen beim Vollbeschäftigten die Arbeitskosten auf mindestens 1600,00 € im Monat.

Und das bedeutet, dass die Einnahmen der Sozialversicherung um Milliarden steigen. Dass damit auch die Ansprüche derjenigen, die zur Einzahlung gezwungen werden,  entstehen, kann der amtierenden Politik egal sein. Mit der Auszahlung der Rente muss sie sich in 10, 20 oder 30 Jahren nicht herumschlagen.

Merkels Amazone von der Leyen und die Gewerkschaften wollen mit der Lohnuntergrenze aber auch das Kartell der Besitzstandswahrer auf dem Arbeitsmarkt absichern. Die Linie, unter der Tarifabschlüsse nicht mehr möglich sind, steigt an.

Wahrscheinlich hat der Mindestlohn oder die Lohnuntergrenze zwei einfache Konsequenzen: Bis auf die 400 € Jobber verlieren die Geringverdiener ihre Arbeit wieder. Oder sie wandern in die Schwarzarbeit. Die erhofften Mehreinnahmen bleiben aus. Und wir kehren in eine Gesellschaft zurück, in denen die schlecht ausgebildeten und wenig qualifizierten von der Sozialhilfe leben, die jetzt Hartz IV heißt. Und überhaupt keine Chance mehr haben, vom heimischen Sofa herunter zu kommen. Für RTLs “Familien im Brennpunkt” dürfte sich die Zahl der Laiendarsteller erhöhen. Drastisch.

Das hat in der Praxis zwei Folgen. Notwendigerweise steigt der Anteil von 400,00 – 800,00 €, wo die Sozialversicherung preiswerter ist als die rund 40%, die ich hier der Vereinfachung halber angenommen habe. Sie beträgt unter 400 € bei 22% und steigt dann sukzessive an.

Auch die Zahl der 1,3 Millionen Aufstocker lässt sich so nicht reduzieren. Denn die stocken nicht ihr Arbeitseinkommen mit Hartz IV auf. Sondern es ist genau umgekehrt: Sie verdienen etwas zu den Sozialtransfers etwas dazu. Die durchschnittlichen Arbeitseinkommen der “Aufsstocker” liegen bein 400-500 €. Und mehr als 80% der “Bedarfsgemeinschaften”, in denen ein Erwerbseinkommen erzielt wird, haben nur einen einzigen Verdiener.

Merkels Taktik ist durchschaubar. Poschardt – der immerhin gerade einen Jubel -Artikel über Merkel losgelassen hat, referiert über die Undefinierbarkeit der Union, die den vermeintlichen Trends hinterher läuft, die die Demoskopen mit Meinungsumfragen befeuern, die die Ergebnisse erzeugen, die die Befrager erwarten.

Es wird Zeit, dass die ARD die politische Talk-Show abschafft. Komplett.