Die Kollegen vom A-team freuen sich hoffentlich über rasant steigende Clicks. Denn schließlich gilt der alte Satz: “You can write everything you want, as long as you spell my name right”. Und am NDR-Bericht über die vermeintlichen Intransparenzen bei A-Team, Ökowatch und Naumann-Stiftung stimmen allenfalls die Namen. Die Macher des Berichts halten sich nämlich nicht an die moralingesäuerten Regeln, die sie selbst propagieren. Sonst wäre von dem guten Stück nichts übrig geblieben. Gar nichts. Was zu beweisen ist:

Der Bericht stellt zwei Behauptungen auf:

1. Die Aktivitäten von Steffen Hentrich bei Ökowatch und Naumann-Stiftung seien nicht zu trennen, weil seine Artikel sowohl bei Ökowatch als auch bei “Denken für die Freiheit”, dem Blog der Naumann-Stiftung erscheinen würden. Ergo: Die Naumann-Stiftung würde Hentrichs Blogaktivitäten bei “Ökowatch” finanzieren. Den Satz hat der Justiziar wohl aus dem Manuskript gestrichen. Der Eindruck bleibt.

2. Dass die Autoren, die beim A-Team für die FDP oder die Naumann-Stiftung aktiv sind, in der Regel darauf hinweisen, wird von den beiden Damen, die den Bericht “gemacht” haben, immerhin lobend erwähnt. Dass aber eine “Presseanfrage” des “Bloggers” Christian Sieckendick von der Naumann-Stiftung an das “A-Team” weitergegeben wurde, sei nicht richtig. Dass der sich für diese Anfrage beim “A-Team” “beschimpfen” lassen müsste, sei dem armen Mann nicht zuzumuten.

Als Kronzeuge wird der “freie Journalist” Christian Fuchs interviewt, der als Reporter z.B. für Spiegel Online mit dem Focus auf “Ost-Themen”  unterwegs ist. Was ausgerechnet ihn qualifiziert, “Ökowatch” als “neoliberal” zu geißeln oder die Vorgehensweise der Naumann-Stiftung zu beurteilen, bleibt im Dunkeln.

Nicht gefragt von den Qualitätsjournalisten wurden dagegen die Anti-Bürokraten. Doch das gehört zu den ungeschriebenen Regeln des Journalismus, dem Subjekt seiner Rercherche Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Das wäre auch bei Hentrich und Ökowatch von nöten gewesen. Dann hätte die Geschichte nur nicht mehr funktioniert.

1. Hentrich ist einer von 10 regelmässigen Autoren auf Ökowatch.de. Nach einstündiger Suche habe ich einen einzigen Artikel finden können, der bei der Naumann-Stiftung gleichzeitig eingestellt war. Und den hatte er zuerst bei Dow Jones veröffentlicht (Quellenangabe in beiden Texten). Und dass der Mann für die Naumann-Stiftung arbeitet, steht natürlich auf der Website unter “Autoren”. Von mangelnder Transparenz kann also nicht die Rede sein.

2. Auch das A-Team wurde von den Spezialisten für journalistische Etikette nicht befragt. Allerdings fiel die Inhaltsbeschreibung etwas vage aus. Auch der Inhalt der journalistischen Anfrage des Tugendwächters wurde von den NDR-Leuten nur unzureichend zitiert. Mittlerweile hat der Mann ihn ja selbst öffentlich gemacht:

Sehr geehrte Frau XYZ,

[…] Seit Jahren berichte ich auch über rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien und Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Ende letzten Jahres gründete sich die selbsternannte rechtspopulistische Partei «Die Freiheit», […]. Ihr Propagandaorgan, die Webseite «Politically Incorrect», wird regelmäßig vom Verfassungsschutz überprüft, geriet erst vor kurzer Zeit in den Blickpunkt der Medien, als Anders Behring Breivik in Norwegen das unfassbare Massaker verübte. Breivik war Mitglied dieser in Europa eng vernetzten islamfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Szene. «Politically Incorrect» solidarisierte sich einen Tag nach den Anschlägen mit Breivik und seinem Manifest mit den Worten: «Was er schreibt sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum [Anm.: Damit ist «Politically Incorrect gemeint.] stehen könnten.»

«Die Freiheit» wurde unter anderem von Rene Stadtkewitz, der aus der Berliner CDU ausgeschlossen wurde, weil er den holländischen Antisemiten Geert Wilders nach Berlin eingeladen hatte und Stefan König, der einen Angriffskrieg auf den Iran propagiert, gegründet. Weitere Informationen finden sich bei netz-gegen-nazis.de.

Stefan König tritt bei «Politically Incorrect» nicht nur als Autor auf, sondern auch als fleißiger Kommentator. Doch nicht nur auf «Politically Incorrect» verfasst König seine wirren Thesen. Seit Wochen gehört er zum Autorenteam von XYZ. Sie werden mir zustimmen, wenn ich die Seite als FDP-nah bezeichne. Doch nicht nur das. Laut eigener Darstellung wird die Seite unter anderem von XYZ geführt. XYZ ist Referatsleiter im Bereich Internationale Zusammenarbeit und Politikberatung der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Da stellt sich schon die Frage, wie das zusammenpasst. Stefan König, Propagandist für einen Angriffskrieg auf den Iran, Autor einer rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Seite und Gründer einer rechtspopulistischen […] sowie XYZ, Referatsleiter in Ihrem Haus.

Wie steht die Friedrich-Naumann-Stiftung zu solchen Verbindungen?
Wie steht die Friedrich-Naumann-Stiftung zur Partei «Die Freiheit»?
Wie steht die Friedrich-Naumann-Stiftung zu «Politically Incorrect»?

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Dieses Schreiben ist wohl keine Anfrage sondern eine Unterstellung und versuchte Diskreditierung. Ich persönlich finde es nicht hinnehmbar, wie hier versucht wird, das A-Team in Verbindung mit dem norwegischen Attentäter zu bringen, nur um die Wirkung der Moralkeule noch etwas zu steigern. Und mit dieser Beschreibung bemühe ich mich um Sachlichkeit.

Es scheint dringend geboten, dererlei öffentlich zu machen, um die linken Kämpfer für die gute Sache zu diskreditieren. Denn Sieckendik geht nach dem plumpen Motto “Irgendwas wird schon hängenbleiben” vor.

Das Antibürokratieteam auch nur im Ansatz in die rechte Ecke zu drängen, ist absurd. Das aber behauptet der Mann in seinem Blog

Meine Intention war es, ein breites Bündes gegen den äußeren rechten Rand zu erreichen, wie es auch mit dem Maritim Hotel Berlin geschehen ist.

Es ist bezeichnend, dass der Mann keinen einzigen Beleg für die vermeintliche Beleidigung in seinem Blogbeitrag erwähnt. Kann er nicht, es gibt nämlich keine. Hechts Ausdrucksweise ist im Vergleich mit seinem eigenen Umgangston die Sprache eines Waisenknaben. Die einzigen drastischen Äußerungen sind Zitate aus Sieckendicks Pamphlet an die Naumann-Stiftung.

Besonders angetan hat es dem Selbstgerechten ja die Partei “die Freiheit”, zu deren Anhängern ich nicht gehöre. Aber sie deshalb als rechtsextremistisch zu brandmarken, weil sie gegenüber den Islamisten eine kritische Position einnimmt, scheint mir sehr weit her geholt. Sieckendick setzt auf Sanktion und Zensur, statt sich inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und er unterstellt überall – etwa bei Geert Wilders – Antisemitismus, wo gar keiner ist. Das spricht noch mehr für das dünne Eis, auf dem er sich bewegt.

Die Geschichte des Fernsehbeitrags lässt sich leicht erahnen. Gespeist von der “Presseanfrage” des “meistverlinkten Bloggers” (Bei Google taucht der Blog bei der Angabe  “Christian Sieckendick erst an fünfter Stelle aus, die erste Verlinkung findet sich gerade unter den ersten 10) wähnte die Zapp-Redaktion einen Hort von rechtsradikalen, neoliberalen Juden- und Muslimenhassern bei Naumann-Stiftung und in den verschiedenen Blogs. Auch der Propagandist eines “Angriffskrieges gegen den Iran” konnte Objekt der Recherche werden. Ein veritabler Skandal als Gegenstand der investigativen Recherche. Das roch förmlich nach “Grimme Preis”.

Selbst bei Ignorierung jeder Recherchetätigkeit in entlastende Richtung und bei Verzicht auf journalistische Spielregeln, ließ sich dummerweise  nicht einmal die abgeschwächte Arbeitshypothese, die Naumann-Stiftung würde “Ökowatch” und “A-Team” finanzieren, aufrecht erhalten.

Da hatte man aber schon den freien Journalisten Christian Fuchs für ein Interview eingefangen und schicke Außenaufnahmen von der Naumann-Villa in Potsdam gedreht. Mindestens zwei Drehtage schlugen auf das Budget der Zapp-Redaktion. Und schließlich ging  es ja irgendwie auch noch um die FDP. Und die ist immer ein lohnendes Ziel. Also musste ein Vorwurf, der eigentlich keiner ist, konstruiert werden. Denn dass die Naumann-Stiftung, bevor sie eine Stellungnahme abgibt, die “Beschuldigten” mit dem Vorwurf, der ja nicht ganz unerheblich ist, konfrontiert, ist nicht anrüchig, sondern ein Gebot der Fairness. Denn weder Sieckendick noch der NDR haben sich schließlich die Mühe gemacht, Hentrich oder Hecht um eine Stellungnahme zu bitten.

Ich hoffe nicht, dass dieser Blogeintrag zu der von NDR und Sieckendick verfolgten Strategie beiträgt: Die liberale Blogosphäre zu stigmatisieren und die bescheidene Gegenöffentlichkeit, die wir hier pflegen, sturmreif zu schießen und die Naumann-Stiftung zu neuer Passivität zu bewegen.

Die Idee der Freiheit ist in Deutschland in ernster Gefahr. Da hilft kein Paktieren und Taktieren. Auch das Appeasement des Mitfühlenden Liberalismus führt in die Kapitulation vor der schleichend um sich greifenden Idee des EURO-Sozialismus, der in der Gleichheit sein Heil sucht. An dessen Ende würden nur nicht alle gleich viel haben sondern gleich wenig.

Deshalb müssen die Methoden der öffentlich-rechtlichen Gebührensozialisten dokumentiert und gebrandmarkt werden. Auch hier.

P.S.: Verlinkungen zu Sieckendick erfolgen hier nicht aus Gründen des guten Geschmacks. Jeder Leser, der weiß wie eine Suchmaschine funktioniert, kann sich seine Quellen selbst zusammen suchen.

P.P.S: Kein Schreiber dieses Blogs ist Mitarbeiter der Naumann-Stiftung. Unser Liberalismus ist mit dem organisierten nur ansatzweise kompatibel.