Die Stimme des Marktgrafen fehlt in diesen Tagen. Das wird einem besonders klar, wenn man seinen Neffen morgens im DLF-Interview ertragen muss:

Bleibt die FDP eine Europapartei?

Lambsdorff: Ganz eindeutig ja. Der Kollege Frank Schäffler, der ist Abgeordneter – Burkhard Hirsch ist das nicht mehr -, der ist ja nun mit seinen Anträgen auf allen Parteitagen angetreten, das ist sein gutes Recht, aber der hat auf allen Parteitagen, auf allen Ebenen, sowohl auf der Landesebene in Nordrhein-Westfalen als auch auf der Bundesebene, sehr deutlich verloren. Die FDP bleibt eine proeuropäische Partei, die auf soziale Marktwirtschaft achtet…,

Lambsdorff, der ein paar Antworten vorher schon mal die Kompetenz von Peer Steinbrück “unbestritten nennt”, unterstellt hier Frank Schäffler und allen, die diesen Rettungswahnsinn nicht wollen, eine Anti-Europäische Haltung. Das Gegenteil ist der Fall: Ein friedliches, stabiles Europa wird durch Griechen-Rettung, ESM und EFSF (oder wie das auch immer heißt) gefährdet.

Denn die ständige Umschulderei, um mehr handelt es sich de Facto ja nicht, sorgt durch Umverteilung keinesfalls dafür, dass die Schulden weniger werden. Sie werden im Zweifel nur von denen bezahlt, die sie nicht gemacht haben.  Und das ist gefährlich.

Erst haben die Staaten sich bei den Banken Geld geliehen, um sie damit zu retten. Nun sollen die Staaten, die noch nicht ganz pleite sind, den Staaten Geld leihen, die bereits völlig insolvent Geld leihen, damit die Banken, die denen Geld geliehen haben, um die Banken zu retten, nicht pleite gehen. So wird das nichts.

Es führt kein Weg daran vorbei, dass ein paar Banken und ein paar Staaten ohne ein ordentliches Insolvenzverfahren zu retten sind. Der Schaden wird größer, je länger man damit wartet. Und wir warten schon 5 Jahre.  Denn spätestens seit der Pleite der IKB war klar, dass auf dem Kapitalmarkt Zeitbomben ticken, die man vielleicht damals noch zur kontrollierten Explosion hätte bringen können. Dafür ist es nun zu spät.

Otto Graf Lambsdorff hätte an die Prinzipien der Marktwirtschaft errinnert. Dass wer Gewinne macht, auch pleite gehen muss. Dass Banken, die angeblich so groß sind, dass sie systemisch sind, auch vom Staat nicht zu retten sind, weil zu groß. Bei seinem Neffen war davon nicht die Rede.

Der Schäfflersche Mitgliederentscheid birgt nicht nur die Chance, die FDP zu retten. Es geht um Europa. Wenn in der Öffentlichkeit endlich klar wird, dass die ganze Retterei den Kontinent zerstört, dass der Wasserschaden größer ist als die Zerstörung durch kontrollierendes Abbrennen.

Europa besteht nicht nur aus Brüssel und Luxemburg. Sondern aus seinen Bürgern. In Europa wird gehandelt, gereist und gelebt. Europa ist für uns selbstverständlich, aber die Gemeinschaft wird nur dann überleben, wenn für jeden Bürger die Vorteile der Union die Nachteile überwiegen, wenn die Chancen eines offenen Kontinents größer scheine als die Risiken.

Wer sich davon leiten lässt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, gerät in die falsche Richtung.