Eines ist klar: Ohne den von den Medien propagierten EU-Nationalismus wäre das Brüsseler Staaten-Konglomerat bereits am Ende. Denn die sonst so kritischen Qualitätsjournalisten haben seit der Euro-Krise nichts anderes zu tun, als den Lesern einzuhämmern, wie toll und wichtig und alternativlos doch das Modell der politischen Union ist. Im Neusprech wird die Union daher nur noch als “Europa” bezeichnet, so als gehörten Norwegen, die Schweiz oder die Ukraine nicht zum Kontinent.

Ich habe keine Ahnung, wer die Macher dieses Videos sind, aber die aufgeworfenen Fragen sind legitim und die aus dem ESM-Vertrag zitierten Passagen klingen alles andere als vertrauenserweckend. Bei Spiegel Online nimmt sich die Top-Redakteurin Yasmin El-Sharif (“suchte schon als Teenager nach spannenden Themen in ihrem Umfeld“) des Videos an und fällt schon in der Überschrift ein eindeutiges Urteil: “Vermeintliches Enthüllungsvideo – Polemik gegen Rettungshilfen“. Tatsächlich entkräftet El-Sharif nicht eine einzige der im Video aufgeworfenen Fragen und wittert natürlich eine Verschwörung der Konkurrenz und der Macher des Videos, um die “Anti-Euro-Stimmung” im Land anzuheizen. Es ist verwunderlich, dass die Autorin nicht auch gleich auf Rechtspopulisten, Europa-Leugner und andere Nazis hinweist, die bekanntlich ähnliche Ziele verfolgen.

Dass die Medien die EU mögen – geschenkt. Aber es ist bezeichnend, dass irgendeine Internetseite bedenkenswerte Punkte eines Vertrages, der tief in die Rechte des Souveräns eingreift, aufführt, die die Qualitätsjournalisten gar nicht interessieren. Es gibt keine EU-Kritik bei Spiegel, Öffentlich Rechtlichen oder SZ. Die Qualitäts-Journalisten sind so mit dem europäischen Staats-Traum beschäftigt, dass sie ihr regelmäßig in Fällen von moralischem oder kulturellen Relativismus vorgetragenes Mantra, ein Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, nicht nur über Bord werfen, sondern in sein Gegenteil verkehren. Bei diesem Thema sind sie keine Journalisten mehr, sondern Volkserzieher im Namen der EU und ihrer technokratischen Elite.