Steinmeier forderte eine stärkere Steuerung der Wirtschaftspolitik, um den Euro zu retten. „Es kann nicht sein, dass ein Land wie Island jahrelang Steuerdumping betreibt, daran pleitegeht und dann auf Hilfe der Gemeinschaft angewiesen ist“, sagte er.

Als früherer Bundesminister des Äusseren müsste er eigentlich wissen, dass Island der  EU nicht angehört. Und es ist auch weithin bekannt, dass das Land nicht am “Steuerdumping” zugrunde ging, sondern an seinen überdimensionierten Banken, deren Umsätze ein vielfaches des Bruttoinlandproduktes des Landes ausmachten. Wenn das Westerwelle gesagt hätte.

Als die drei Großbanken pleite gingen, die sich für ihre Geschäfte überall auf der Welt billiges Geld besorgt hatten, war das der Genickschuss für die Ökonomie. Und ein Modellfall für Griechen, Iren und Konsorten. Nicht die EU war es, die hier im wesentlichen mit der Weisheit ihres Zentralkomitees aus der Krise half, sondern der Internationale Währungsfonds, der dem Land wie vorher schon Argentinien einen strikten Sparkurs verordnete.

Die OECD bescheinigt Island, das 2012 bereits wieder über ein stabiles Wachstum von 3% verfügen soll, eine stetige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

Jetzt stelle man sich einmal vor, der amtierende Bundesminister des Äußeren hätte dererlei über Island gesagt. Eine Welle der Empörung wäre über ihn gekommen und erst durch ein Machtwort Röslers wäre die Sache glattgestellt werden.

Nicht dass man mich falsch versteht. Es war der Kardinalfehler der FDP, dass man nicht das Finanzressort übernommen hat.  Anders als sein Idol Hans-Dietrich Genscher, um den nach seinem “Verrat” an Helmut Schmidt in der westdeutschen Öffentlichkeit ähnliche Auseinandersetzungen tobten, hat es Westerwelle nicht geschafft, sich als Außenpolitiker zu profilieren. Und er hat m.E. auch völlig falsche Prioritäten. Ob in Deutschland Atomwaffen stationiert sind oder nicht, ist nicht entscheidend. Wann der Iran über welche verfügt schon.

Dass der Mann Monate nach dem Ausbruch der Unruhen in Syrien einen Öl-Boykott als wirksame Sanktionspolitik beschreibt, obwohl der obendrein erst am 15. November (!) eintritt, ist schon nicht mehr zu verstehen. Bis dahin werden zahlreiche andere Syrier diese wirksame Sanktionspolitik mit ihrem Leben bezahlt haben. Wie es die Libyer in Bengasi im März auch getan hätten, wenn die NATO ihnen nicht zu Hilfe gekommen wäre.

Es ist eigentlich egal, wer uns regiert. Die mangelnde Kompetenz und Standfestigkeit ist ziemlich überall gleichverteilt.