Michael Wohlgemuth stellt bei “Wirtschaftliche Freiheit” die Frage, ob die Finanzmärkte “Ordnungspolitik” verstehen. Natürlich verstehen sie n u r Ordnungspolitik. Doch die bekommen sie gerade nicht zu hören. Und das ist der ganze Grund für die “Krise”. 

Ordnungspolitik schafft auf einem Markt Regeln, die alle Marktbeteiligten voreinander schützen. Diese negativen Regeln haben Verbotscharakter und sind für alle gleich.

Ordnungspolitik und staatliche Intervention sind nicht kompatibel. Mit jeder Intervention verzerrt der Staat den Markt und führt stets Nebenwirkungen ein, die er nicht voraus gesehen hat.

Dabei ist es wichtig, dass es “die Märkte” oder “den Markt” nicht gibt. Denn ein Markt ist der fortwährende Interessenausgleich zwischen seinen Teilnehmern. In der Regel über den Preis. Ein Interessenausgleich bedingt aber, dass die Interessen unterschiedlich und nicht gleich sind.

Das kann man am Beispiel der “Transaktionssteuer” gut beleuchten. Grundsätzlich verteuert diese Steuer jede Transaktion und hebt damit die Gewinnschwelle an, ab der sich eine solche lohnt. Für einen Aktionär, der sein Engagement langfristig betreibt und seine Aktien nach einem halben oder ganzen Jahr mit 20 oder 30% Gewinn verkauft, ist sie völlig unerheblich. Für einen Day-Trader, der alltäglich handelt und mit Margen von 2 – 5 % pro Tag zufrieden sein kann, bedeutet sie eine erhebliche Kostensteigerung.

Tatsächlich haben die Martteilnehmer in den vergangenen Jahren gelernt, dass es keine marktwirtschaftliche Ordnung auf den Finanzmärkten mehr gibt. Sie gleichen vielmehr einer zielgerichteten Organisation zur Finanzierung von Staatsfinanzen unter der Nebenbedingung, dass die finanzierenden Investoren nicht insolvent gehen dürfen.

Und damit ist ein wesentliches Charakteristikum eines Marktes weggefallen: Das Risiko, das die andere Seite der Medaille darstellt, die Chance heißt.

Die großen Finanzmarktteilnehmer haben seit 2008 gelernt, dass dieses Risiko für sie deFacto nicht mehr besteht, weil sie entweder mit dem Geld, das die Staaten sich vor- oder hinterher bei ihnen leihen oder geliehen haben, gerettet werden. Oder dass ihnen Einzelrisiken, wie etwa griechische, portugisische, irische, spanische oder italienische Risiken ohne Verlust abgenommen werden, wenn dieser droht. Vorher haben sie ordentlich daran verdient.

Die Lösung der Krise kann deshalb nur noch in harten Schnitten bestehen, die der Weltwirtschaft wehtun. Wie bei einer Krebsoperation ist es ohne Schmerzen nicht zu machen. Wer schnell und hart genug schneidet, kommt vielleicht noch um die Chemo rum.

In diesem Fall lernen die Investoren, dass sie vom Risiko nicht freigestellt sind sondern im Rahmen einer Staats- oder Bankeninsolvenz die eigene Pleite fürchten müssen. Dann ist die Ordnung wieder hergestellt.