Mittlerweile ist selbst dem Mann aufgefallen, dass der Irre von Oslo nicht durch den NATO-Einsatz in Lybien oder die imperialistischen Kriege in den USA zum Massenmord gedrängt wurde. Und weil seine Enkelin das Massaker auf der Insel überlebte, hat er sogar wahrgenommen, dass es wohl noch etwas perfider ist, junge, unbewaffnete Menschen zu erschießen, als nur eine Bombe zu zünden. Jetzt fällt ihm nichts besseres ein, als eine Internet-Stasi, die verhaltensauffällige Extremisten im Netz frühzeitig identifizieren und dann vom unrechten Weg abbringen soll.

Dabei verwechselt er Ursache und Wirkung wie so viele Menschen, die mit dem Netz nicht aufgewachsen sind. Würden solche irrgeleiteten Menschen ihr Vorhaben ernsthaft planen, dann würden sie ihre Mordabsichten wohl kaum im Netz absondern, wenn sie wüssten, dass sie dort auffliegen.

Wir brauchen dringend eine Art Notfallteam, das sich um Menschen wie Breivik kümmert. Menschen, die ihre wahnsinnigen Ansichten im Internet ausbreiten und dort entwickeln. Breivik lebte und arbeitete in Norwegen, aber seine Seele breitete er im Internet aus. Da müssen wir ansetzen. Wir brauchen stärkere Internetkontrollen. Und wir müssen verstehen, wie Leute wie Breivik denken. Die norwegische Polizei, die Sicherheitsdienste haben versagt: Sie haben die Gefahr nicht ernst genommen.

Es ist offensichtlich ein bequemer Zug, etwas was man nicht versteht, “dem Internet” zuzuschreiben. Es macht eine Sache erklärbar, die in Wahrheit in der Psyche und der persönlichen Entwicklung eines Menschen liegt und nicht im abstrakten Algorhytmus einer Suchmaschine. Das Internet macht es für das Monster leichter, scheinbare Begründungen für seine Tat zusammen zu klauben. Stimmen tun die trotzdem nicht.

Wir sollten Breirik ohnehin besser totschweigen. DAS hätte er verdient.