Blogger-Kollege Airen verneigt sich vor Ihrer Leistung als Talkmasterin in der ARD. Dem kann ich nicht folgen. Ihre Sendung war schlecht recherchiert, tendenziös und Sie hatten die seltene Neigung, die Diskussion im falschen Moment zu unterbrechen. Am schlimmsten war das Betroffenheitssofa, auf dem nicht zu selten gefakte Testimonials sassen. Es ist gut, dass Jauch sie auf diesem Sendeplatz ablöst. Besser wäre es, sie verschwänden vom Bildschirm. Dabei hatte ich ursprünglich eine ganz andere Meinung.

In den Neunziger Jahren moderierten Sie mit ihrem heutigen Redaktionsleiter Peter Schneider eine Talk-Show, die “mal ehrlich” hieß. Die beiden gut vorbereiteten Moderatoren befragten im Sender Freies Berlin charmant aber doch nachdrücklich einen Politiker, Künstler oder Prominenten. Eine ganze dreiviertel Stunde lang. Das war kurzweilig, unterhaltsam und informativ. Als die Sendung mit dem Sender verschwand, waren Sie schon längst weiter gezogen und hatten bei der ARD Karriere gemacht, moderierten Sportschau und später Tagesthemen. Als sie die etwas unbedarfte Sabine Christiansen ablösen sollten, war ich voller Hoffnung. Wer, wenn nicht Anne Will, könnte den Sendeplatz retten. Ich wurde bitter enttäuscht.

Zunächst einmal war da die mangelnde Handwerkskunst. Neulich stellten Sie uns einen armen Busfahrer vor, der von seinem kargen Gehalt seine Familie nicht ernähren könnte. Tatsächlich handelte es sich um den hauptamtlichen Betriebsratsvorsitzenden und VerDI-Funktionär Ahmet Özkaratas, der nicht, wie von ihm behauptet rund 1700 € verdiente, sondern 1.000 € mehr bekommt, inklusive Wohn- und Kindergeld. ( Ab 200 Mitarbeitern muss das Unternehmen einen Mitarbeiter bei vollen Bezügen von der Arbeit freistellen). Bei der Frankfurter Rundschau hatte er schon einmal einen Multi-Jobber gegeben. Diese Informationen habe ich mit einer einfachen Google-Recherche in einer halben Stunde zusammen getragen. Ihrer Redaktion blieben sie verborgen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Der sämige Talk-Show-Brei, den die ARD nach der Sommerpause alltäglich präsentiert, vermittelt keine Fakten, klärt nicht auf und trägt nicht zur Diskussion bei. Er verfälscht die Lage mit dem Anschein einer kontroversen Diskussion, die sich bestenfalls im Rahmen der Political Corectness befindet.

Es geht auch anders. Die BBC strahllt regelmässig die Sendung “Hard Talk” aus. Hier stehen sich ein Talk-Gast und ein gut vorbereiteter Moderator gegenüber, der auch unterbricht und hartnäckig nachfragt. Früher gab es das auch beim deutschen Fernsehen. Sandra Maischberger, die heute beim Westdeutschen Rotfunk auch der Farbe alle Ehre macht, sass mal in einem kleinen Fernsehstudie und redete eine Stunde mit einem, vielleicht auch zwei Gästen. Auch da war sie gut vorbereitet. Am Ende war man schlauer.

Ich schaue am Sonntag-Abend lieber die englischen Krimis auf dem ZDF. Die bieten wenigstens einen Unterhaltungswert. Und auch am Mittwoch-Abend werden Sie auf mich verzichten müssen.