Yassin Musharbash kennt sich aus mit den Islamisten und hat sich akribisch in die internationale Szene eingearbeitet. Das ist dem Mann hoch anzurechnen, aber seine Analysen zeugen leider von einer gewissen “Vergeistigung”. Das Phänomen des Salafismus wird im neuesten Bericht des Verfassungsschutzes ziemlich ausführlich angegangen und dennoch macht sich Musharbash vor allem Sorgen darum, dass der Salafismus von den Verfassungsschützern nicht verstanden wird.

“Differenzierungen sind notwendig – und der durch die verkürzte Darstellung suggerierte Zusammenhang zwischen Salafismus und Dschihadismus ist problematisch.”

Er ist nicht problematisch, er ist auch nicht weiter wichtig, denn der Salafismus alleine stellt schon eine Bedrohung der Grundwerte einer westlichen Demokratie dar. Dabei ist es aus der Sicht des deutschen Rechts völlig unerheblich, ob ein Salafist nach Pakistan reist, um deutsche Soldaten zu ermorden oder er in Bottrop seine Frauen an die Kette legt. Beides ist Ausdruck eines rechtsradikal anmutenden religiösen Kultes, der zum einen den eigenen Tod im Namen Gottes und zum anderen die Unterdrückung der Frau auf seine Fahne geschrieben hat. Selbst wenn ein salafistischer Frömmler keine Lust auf den Trip in den Hindukusch hat, so bleibt doch seine Überzeugung bestehen, dass ein Gott, der sich nach seiner Denke das letzte Mal im siebten nachchristlichen Jahrhundert gegenüber einem arabischen Hinterwäldler äußerte, über den Rechten des Individuums steht. Der Knackpunkt ist, dass der Salafist den freien Willen für eine Erfindung hält, Unterordnung und Gehorsam sind sein Ziel – leider nicht nur bei der eigenen Person. Für alle Menschen soll die von ihm als göttlich empfundene natürliche Ordnung der Unterwerfung gelten. Darum ist es auch völlig unwichtig, wenn Musharbash behauptet, dass

“in Großbritannien nichtmilitante Salafisten […] schon lange eine Rolle spielen, wenn es darum geht, junge Radikale von Gewalt abzubringen”

Das klingt gut, ist aber ziemlicher Blödsinn, wenn man bedenkt, dass auch diese geläuterten Musterknaben ihre Frauen in Stoff einwickeln und es für legitim halten, ihnen ab und zu mal gehörig eine zu scheuern, wenn sie sich dem Willen ihres Göttergatten widersetzen. Der Dschihadismus ist nur eine Widerwärtigkeit unter vielen, durch die sich diese besonders rückständige Strömung des Islam auszeichnet. Mal passiert der Terror mit Bomben, aber in den meisten Fällen ganz still und leise hinter der Wohnungstür. Musharbash beschreibt das ganz nüchtern so:

“Gemeinsam ist allen Salafisten, dass sie sich vor allem am Koran, am überlieferten Leben des Propheten Mohammed und den Handlungsweisen der ersten Generationen von Muslimen orientieren. Sie lehnen Neuerungen ab, missbilligen den Umgang mit Ungläubigen und halten Gott für den einzigen rechtmäßigen Gesetzgeber. Erst danach fächern sie sich auf in militante, politische und unpolitische Salafisten, und oft sind die politischen – aber nicht militanten – Salafisten die überzeugendsten Widersacher der militanten.”

Mit anderen Worten: Diese Abstufungen entspringen alle der gleichen Saat. Musharbash findet es viel erstaunlicher, dass sich Terroristen so schnell zu Terroristen entwickeln, weil sie so keine Zeit hätten, “um sich in die salafistische Denkschule und Methodik zu vertiefen”. Leider ist der Salafismus aber keine philosophische Denkschule, er ist nicht einmal eine wirkliche Ideologie, denn so etwas gab es im Denken der frühen Muslime nicht, ja, so etwas durfte es nicht einmal geben, denn ihr Gott hatte nicht davon gesprochen. Die Botschaft eines Pierre Vogel ist schlicht und ergreifend die Botschaft eines recht einfach gestrickten Provinzkaspers, der sich in komischer Verkleidung als Guru aufspielt, um den internationalen Wunsch einiger Irrer nach Weltverschwörung, Machokult und totaler Unterwerfung unter ein mysteriöses Wesen namens “Allah” zu predigen. Das Ergebnis ist eine Haltung, die mit den Werten einer freien Gesellschaft nichts zu tun hat. Den Beleg dafür liefert Musharbash mit dem Zitat einer niederländischen Studie zu dem Thema:

“Salafisten statteten Suchende mit einer starken Identität und einem sozialen Zusammenhalt aus; sie griffen das weit verbreitete Gefühl auf, dass Muslime ungerecht behandelt werden – und kanalisierten es. Diesen Sound findet man auch in Deutschland, etwa wenn es in einer Videopredigt auf der Web-Seite “Die wahre Religion” heißt, dass die Muslime in Deutschland bald “abgeschlachtet” werden würden.”

Wem kommt das bekannt vor? Nach dem gleichen und ziemlich einfachen Muster haben andere Organisationen auch schon ihre Anhänger geworben und tun es immer noch. Die Textbausteine sind die gleichen, die Akteure andere. Einen Eintrag in den Bericht des Verfassungsschutzes haben sich diese Leute auch ohne eine Bombe am Gürtel redlich verdient.