Über die Spiegel Online-Kolumne von Jakob Augstein könnte man fast jede Woche herziehen, aber in seinem neuestem Machwerk hat er sich selbst übertroffen und ein Psychogramm seiner geschundenen Seele abgeliefert, das wirklich vieles erklärt. Augstein beschäftigt sich mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern und bekundet seine innige Liebe zu den Schnarchkanälen. 

Augsteins tief sitzende Wut ist ihm anzumerken, als er auf Journalisten zu sprechen kommt, die weniger begeistert von ARD und ZDF sind:

“In der Art und Weise, wie mancher Journalist über das duale System herzieht, äußert sich mehr als nur Enttäuschung über Bürokratismus und Gebührenverschwendung. Da lugt eine geradezu antirepublikanische Abneigung gegen einen sozialdemokratischen Rest der alten Bundesrepublik hervor, der es geschafft hat, dem Säurebad des Neoliberalismus zu widerstehen.”

Ja so ist es. Herr Augstein hat völlig recht: Die Öffentlich-Rechtlichen sind tatsächlich in furchtbarer Bedrängnis und müssen mit jährlich steigenden Einnahmen eine Art sozialdemokratischen Notsender betreiben, für den sie gerade noch die Rechte an der Championsleague einkaufen konnten, während draußen vor der Tür antirepublikanische Neoliberale mit Flaschen voller Säure warten.

Vielleicht wollte er ja ein lustiges Wortspiel machen oder rhetorisch aufdrehen, aber dagegen sprechen zwei Dinge: Linke sind nicht lustig und Augstein kann es deswegen nicht sein, weil er doch tatsächlich die “heute show” von Oliver Welke für “intelligent und lustig” hält. Von Humor hat er also noch weniger Ahnung.