Spiegel Online interviewt Tim Jackson, Mitglied des britischen Ablegers der Morgenthau-Partei. Der angebliche Wirtschaftswissenschaftler tritt für einen neuen Wachstumsbegriff und einen allgemeinen Verzicht ein, um nachhaltig zu wirtschaften. Die üblichen esoterischen Theorien werden aber von einer Chuzpe gekrönt, die aus Deutschland Dank der Linkspartei wohlbekannt ist: Jackson schimpft über die falsche Politik der letzten Jahre, aber zwischen den Zeilen kommt dann doch raus, dass Jackson Berater der Labour-Regierung war, die immerhin von 1997 bis 2010 an der Macht war.

Den Umstand, dass er mit Gordon Brown für einen der miesesten Wirtschaftspolitiker und Krisenmanager genau zu dem Zeitpunkt tätig war, als es zur Finanzkrise kam, lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder hat der gute Jackson keinen blassen Schimmer und lässt nur Worthülsen ab, die zu seinem Salonsozialismus passen, ihn vor der Studentenschaft und in den dem universitären Bereich angeschlossenen Kreisen gut dastehen lassen. Oder die Methoden all der Gordon Browns und anderen Staats- und Planwirtschafter passen genau in sein Konzept von Verzichtsübung, Deindustrialisierung und “Nachhaltigkeit”. Welche der beiden Möglichkeiten auch zutrifft, die wirtschaftlichen Sozialesoteriker sind auf dem Vormarsch und die Medien spielen dazu auf der sozialökologischen Schalmei.

George Orwell beschrieb den Totalitarismus einmal so:

“If you want a vision of the future, imagine a boot stamping on a human face – forever.”

Und nach dem SPON-Interview mit Tim Jackson wissen wir jetzt, dass es sich bei diesen Stiefeln auch um Wanderstiefel handeln kann.