Als “Sturmgeschütz der Demokratie” wurde der Spiegel einst bezeichnet, danach wurde er zur Konfettikanone, jetzt ist er ein Trommler für den Europäischen Superstaat. Denn das Blatt und seine Autoren sehen sich weniger als Journalisten. Vielmehr ist die Erziehung der Leserschaft das Hauptanliegen des Hamburger Blattes und seiner Online-Vertretung aus Berlin. Ein wunderbares Beispiel ist Jungredakteur Sven Böll, der sich mit einem weiteren Schauermärchen für das Ende der europäischen Nationalstaaten und die Errichtung eines sozialistischen Imperiums ausspricht. Dabei hält er sich an die Vorgaben seiner unter der Marke Spiegel publizierenden Spießgesellen und erhebt seine Stimme zum Ruf nach “mehr Europa” und meint doch mehr Zwang, mehr Regulierung, mehr Repression und vor allem weniger Demokratie.

Bölls Lösung der von Politikern herbeigeführten Krise soll in noch mehr politischem Unsinn bestehen: Brüssel soll zukünftig nichts weniger tun, als die Steuer-, Sozial- und Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer steuern. Den Griechen soll der Renteneintritt und den Iren ihr Unternehmenssteuersatz diktiert werden. Die Gefahr, dass einzelne Länder darauf keine Lust haben, will Böll mit nicht weiter definierten “demokratisch legitimierten Institutionen” erreichen, wahrscheinlich denkt er dabei schmunzelnd an die demokratischen Referenden gegen den Lissabon-Vertrag, die von den Superstaatsanhängern ganz einfach für ungültig erklärt wurden. Die Lage der Bürger ist Böll auch sonst ziemlich egal:

“Die Bundesrepublik müsste einen beträchtlichen Teil des europäischen Ausgleichsfonds finanzieren und könnte durch die Harmonisierung diverser Politikbereiche an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Vom weiteren Bedeutungsverlust für die Bundes- und Landesregierungen ganz zu schweigen.”

Eben noch schwadronierte Böll von “demokratisch legitimierten Institutionen” und jetzt will er mit den gewählten Regierungen der EU-Staaten gleich welche abschaffen oder zumindest den Wert der Wählerstimmen drastisch reduzieren. Auch ist es nicht die “Bundesrepublik”, die einen solchen Ausgleichsfonds finanzieren würde, es sind die Steuerzahler, die für diese unfassbare Umverteilungsmaschinerie zahlen müssten. Herrn Böll ist das natürlich völlig egal – Ordnung, Effizienz und das große Ganze sind wichtiger als das Individuum.

“Europas derzeitige Krise muss als Auslöser für eine Entwicklung zu einer echten politischen und wirtschaftlichen Union begriffen werden. Dazu bräuchte es vor allem europäische Staatsmänner und nicht emotionslose Verwalter nationaler Egoismen.”

Diese Argumentation hätte auch von einem Reichsminister in einem Europa unter den siegreichen Hohenzollern stammen können. Denn was Böll hier als “nationale Egoismen” bezeichnet, sind die verbrieften Rechte des Souveräns, also des Wählers, mit dem Stimmzettel über die ureigenen Angelegenheiten seines Landes abzustimmen. Länder wie Malta, Zypern oder die Heimat des Rieseneuropäers Juncker würden in einer solchen “echten Union” als erstes unter die Räder kommen, die über Jahrhunderte gewachsene Staatlichkeit der europäischen Nationen hätte in einem solchen Ungetüm von Union nur noch folkloristischen Wert. Die Arbeitsweise der EU-Politiker in Brüssel, die Verachtung des Wählerwillens und die de facto existierende Riesenkoalition der Föderalistisch gesinnten Parteien im EU-Parlament bieten einen Vorgeschmack auf die dystopischen Ausmaße einer solchen “echten Union”.

Bölls Argumentation ist konsequent dämlich und peinlich darauf bedacht, jegliches historische Maß zu ignorieren und gipfelt daher in einem Verweis auf die europäischen Soldatenfriedhöfe. Dass die dort Begrabenen auch deswegen ums Leben kamen, weil Deutschland schon zweimal versuchte, andere Formen der europäischen Einigung zu erzwingen, bedenken weder Böll noch sein Idol Juncker.

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