Schon wieder ARD: Neue Fahr Süd. Ein Sittengemälde der Achtziger macht deutlich, warum die Wehrpflicht abgeschafft gehört, wenn es ihrer nicht mehr bedarf. Ich war drei Jahre später als der Protagonist W15 beim Bund und hätte mir die meiste Zeit gerne geschenkt. Damals war sie aber nötig und obwohl der im linken Bremer Öko-Milieu spielende Film, bei dem selbst die spießigen Eltern dafür sind, dass der Sohn verweigert, diese Frage ausspart, sagt er viel aus über die Verlogenheit und Doppelzüngigkeit jener Zeit. Vor allem habe ich selten so gelacht.

In den Siebzigern und Achtzigern bestand in Deutschlands gutbürgerlicher Jugend der Gruppenzwang zum Klassenkampf. Der Sozialismus in der DDR war doch nur schlecht gemacht. In den Lehrerzimmer hatten die Achtundsechziger längst die Oberhand genommen und die politisch korrekten (obwohl es das Buch noch nicht gab) Schulbücher und Lehrpläne hatten die Klassenzimmer längst erreicht.

Hier liegt die Wurzel für den Niedergang der liberalen Geisteshaltung in unserer Gesellschaft, weil die meisten heutigen Bürgerlichen ihre sozialistische Sozialisation sowenig reflektiert haben wie ihre Großeltern die nationalsozialistische Prägung.

Die Bundesrepublik Deutschland West war eine Gesellschaft voller Denkverbote. Es gab gar nicht genug Ställe, um alle heiligen Kühe unter zu bringen.

“Neue Vahr Süd” ist so etwas wie der “grüne Pfeil” des Westens. Es war eben doch nicht alles schlecht…