Als Ilona Christen und Hans Meiser vor rund 20 Jahren mit ihren “daily talks” den RTL- Nachmittagsbildschirm stürmten, war man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wenig amüsiert. Jörg Pilawa und Johannes B. Kerner wurden dann allerdings nach einer Anstandsfrist gekauft und nun kopiert die ARD das Konzept am späten Sonntag Abend. Nur statt dem Gebührenzahler kommen dort mehrheitlich diejenigen zu Wort, deren Institution von den Landfrauen bis zur FDP einen Sitz im Fernsehrat haben. Dank für die Haushaltsabgabe?

Sonntags gibt´s ab Herbst 2011 Günther Jauch, der von RTL kommt, damit er, wenn er demnächst ergraut nicht mit dem Schuldnerberater Peter Zwegat verwechselt wird, dem er in Gustus und Mimik schon heute ähnelt. Am Montag darf immerhin um 21.00 Uhr Frank Plasberg mit “Hart aber Fair” ran. Dienstag bleibt´s bei Maischbergers Edel-Vorwärts. Mittwoch fristet Anne Will ihr Gnadenbrot. An Donnerstag dann der Weichspüler Beckmann, der einem Studiogast wie Sarrazin nur dann wiederspricht, wenn er sich gleich 5 weitere Studio-Gäste an die Seite holt. Am Freitag kann man dann auf die Dritten ausweichen. Drei Talk-Shows im Wechsel beim NDR, zwei beim MDR, eine beim WDR und auch noch eine Gesprächssendung beim Bayerischen Rundfunk. Am Samstag wird es dünn, da gibt es nur das “Dicke B” vom RBB und das nicht mal jede Woche. Spätestens am Sonntag nach Mittag kann man dann wieder Peter Hahnes Dauergrinsen besichtigen.

Immer dabei mindestens ein Parteipolitiker. Dass in den unterschiedlichen Sendungen verschiedene Themen verabschiedet werden, scheint mir mehr als nur unwahrscheinlich. Wenn es ein Thema wie Stuttgart 21, die Schweinegrippe oder die Euro-Krise einmal auf die Agenda geschafft hat, wird das Thema tot geritten, bis es keiner mehr hören und sehen kann. Der echte Diskurs wird dabei im besten Sinne zerredet. Im Anschluss an die Kampagnenwoche wird dann per Forsa das angebliche Meinungsbild abgefragt und danach wird entsprechend entschieden.

Da war Geißlers Schlichterei eine wahre Wohltat. Strukturierte Argumente, sachliche Auseinandersetzung, mahnende Worte des Schlichters, wenn statt Sachvortrag Polemik folgte.

Die politische Talk-Show suggeriert in der Regel eine politische Auseinandersetzung und entpuppt sich als Austausch bloßer Plattitüden, weil sechs Gäste in 60 Minuten nicht genug Zeit haben, einen klaren Gedanken zu entwickeln und ohnehin von der Moderatorin mit einer knallharten Nachfrage an der intellektuellen Entfaltung gehindert werden.

Der Parteipolitiker hat  auf Kosten des Zwangsgebührenzahlers die Plattformen zur Selbstdarstellung maximiert. Schließlich gibt es ja auch noch Peter Hahne, Maybritt Illner und das Frühstücksfernsehen, mit dem man dem Agenda-Setting fröhlich fröhnen kann.

Dabei gab es die ideale Talk-Show im deutschen Fernsehen schon einmal und gar moderiert von der heute sozialdemokratisch indoktrinierenden Sandra Maischberger. Auf n-tv um fünf und um neun wiederholt, interviewte die ein, maximal zwei Gäste für mindestens zwanzig Minuten. Die ganze Sache dauerte eine Stunde. Ihren Nachfolger hat sie in Thadeuz gefunden, der aber nur einmal in der Woche talkt und deutlich feulletionistischer daher kommt – was kein Fehler ist. +

Auch Anne will war schon mal besser. Mit ihrem heutigen Redaktionsleiter Peter Schneider befragte sie gemeinsam am Freitag Abend im SFB einen einzigen Studiogast: “Mal Ehrlich” überzeugte durch guten Journalismus und war ausgesprochen aufschlussreich. Aber so etwas passt nicht in das Konzept der Spin-Doctors und Agenda-Setter.