Von Banken sagt man, dass sie Regenschirme nur bei Sonnenschein verleihen. Bei Regen oder gar Sturm hätten sie sie gerne wieder. Dann geht plötzlich Sicherheit vor Rendite. Sie haben aus der Finanzkrise eins gelernt: Mit dem drohenden Unterngang lässst sich die Politik erpressen und ganze Staaten in die Haftung nehmen. Seit der Bear Stearns Rettung durch den amerikanischen Staat ist der Mechanismus stets derselbe. Mutlose Banker treffen auf mutlose Politiker. Statt in Wahrscheinlichkeiten wird nur in worst case scenarios gedacht und der Weltuntergang in den schrillsten Farben ausgemalt. So haften jetzt Staaten für Banken, Staaten für Staaten und die Staaten leihen sich das dafür notwendige Scheingeld bei Banken, die dann dafür die Zinsen kassieren. Ein sicheres Geschäft.

Das ist wie mit er Entführung von Günther Lorenz durch das Kommando 2. Juni im Jahre 1975. Der Staat ließ sich erpressen und in Begleitung des ehrbaren Pastors Alberts verließen die befreiten RAF-Terroristen in einer Lufthansa-Maschine das Land in Richtung Jemen um kurz danach im Pali-Camp trainiert wieder in den bewaffneten Klassenkampf einzugreifen.

Als zwei Jahre später die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten und Daimler-Vorstands Hanns-Martin Schleyer gelang, hatte der Bundeskanzler, er hieß Helmut Schmidt, seine Lektion gelernt. In keinem Fall würde er auf die Bedingungen der Entführer eingehen. Hinauszögern hieß die Taktik. Schleyer kam um´s Leben. Seither hat die RAF das Entführen gelassen und sich auf´s Morden konzentriert, bis sie erkannte, dass das aufzuweckende Proletariat bräsig von RTL vor dem Fernseher eingelullt blieb.

Helmut Schmidt hatte allerdings 1975 und 1977 eine Wahl. Er hätte inhaftierte Terroristen freilassen können. Die EU hat diese Chance in den Irland- und Griechenland-Krisen nicht mehr. Sie hat das Geld nicht, das sie “bereitstellt”. Sie muss es drucken oder leihen. Denn die Eurozone steht bei den Banken, die jetzt wanken, mit 6 Billionen in der Kreide.

Die Schuldner leihen den Gläubigern Geld, damit die nicht pleite gehen.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble haben deshalb recht, wenn sie aus diesem Teufelskreis ausbrechen wollen und in Zukunft die Gläubiger mit in die Haftung nehmen wollen. Doch wenn ein Anreiz einmal falsch gesetzt ist, muss man stark sein, um sich nicht noch einmal erpressen zu lassen.

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