Die ARD versendet die letzten drei Folgen des ausgezeichneten Renommier-Krimis “Im Angesicht des Verbrechens” kurzerhand nächsten Freitag überwiegend nach Mitternacht. Die Einschaltquote war zu schlecht. Damit verrät der öffentlich-rechtliche Rundfunk gleichzeitig seine Legitimation und macht sich mit seinen privaten Konkurrenten gemein. In einer Volksabstimmung würde die GEZ-Gebühr abgeschafft und die “Haushaltsabgabe” erst gar nicht eingeführt. So viel ist sicher.

In dem Mehrteiler, in dem nicht integrierte Russen, deutsche Kriminelle und irgendwie darin verwickelte jüdische Mitbürger als Protaganisten auftreten, geht es um so banales wie Zigarettenschmuggel und natürlich auch um ekelhafte Zwangsprostitution von jungen ukrainischen Mädchen, die unter anderem Vorwand nach Deutschland gelockt wurden. Wobei eine der beiden Protagonisten klar genug wusste, was auf sie zukam und dies mehr als nur billigend in Kauf nahm.

Das Stück bewegt sich auf dem Niveau von Dieter Wedels “Schattenmann” und ist nicht nur wegen seiner Mehrteiligkeit etwas schwerer verdaulich als die einstündige ZDF-SOKO-Konfektion mit eingebauter regionaler Wirtschaftsförderung oder der Tatort, bei dem man auch weiß, was man am Ende zu erwarten hat. Am Anfang mindestens eine Leiche und am Ende immer einen Mörder.

So hat die ARD erstmal (wie das ZDF mit der nicht minder schlechten “KDD”-Reihe) mit dem Freitag Abend den falschen Programm-Platz gewählt. Und auch die Uhrzeit wäre zu spät gewesen. Da gibt es im abendlichen Programm viel zu viel gewöhnliches, was hätte weichen können. Welche Auswirkungen der Sendeplatz aber für  die Quote hat, zeigte der Eifel-Krimi “Mord mit Aussicht”, der an einem anderen Wochentag selbst in der Wiederholung brillierte.

Dabei ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk von der Quote überhaupt nicht abhängig. Wenn er seinen wie eine Monstranz vor sich her getragenen Anspruch ernst nehmen würde, könnte er sich Qualität statt Pilawa leisten.

Dabei ist auch die Quote eine Fiktion, von der keiner weiß, ob sie stimmt. Denn wie viele statistische Verfahren entzieht sie sich der Falsifikation. Niemand kann überprüfen, ob sie stimmt.

In ein paar hundert Haushalten leben zwischen 2.000 und 6.000 Menschen, die per Knopfdruck ihr Sehverhalten aufzeichnen. Das wird dann auf die Grundgesamtheit hochgerechnet und dient als Bewertungsgrundlage für die Fernsehwerbung. Genaueres kann man hier nachlesen. Nachprüfen kann man die Ergebnisse nicht.

Was aber, wenn die Quote nicht das Verhalten der Zuschauer wiederspiegelt? Wenn in Wahrheit viel mehr oder andere Zuschauer vor der Glotze hockten als geschätzt?

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