Die Türkei ist der liberalere Staat. Dem Grunde nach geht es um die Frage nach staatlicher Ordnung. Die kennt keine Ziele, damit jeder seine eigenen verfolgen kann. Staatliche Organisation reduziert zwangsweise Freiheit, weil die Organisation zur Durchsetzung von Zielen nur auf Befehl und Gehorsam setzen kann, um diejenigen, die die Ziele nicht teilen, zu ihrer Erfüllung zu zwingen. Sie endet in der Diktatur. Handelt es sich um eine Demokratie, dann ist es die Diktatur der Mehrheit.

Eine Religionsgemeinschaft kennt zwar auch negative Regeln, also Verbote, die ihren Mitgliedern ein bestimmtes Verhalten vorschreiben. Doch diese Regeln dienen nicht dem Schutz der Freiheit sondern der Anbetung eines oder mehrerer Götter.

Im freiheitlichen Rechtsstaat ist die Organisation von Religion möglich, solange sie freiwillig erfolgt und der Staat diejenigen schützt, die trotz ihrer Herkunft den Regeln der Religion ihrer Väter nicht folgen. Hat die Religion Regeln, die Menschen diskriminieren oder ihre Freiheit beschneiden, so ist dies mit dem freiheitlichen Rechtsstaat nur dann vereinbar, wenn die jenigen in voller Erkennntnis der eigenen Lage selbstbestimmt entscheiden, sich einer solchen Regel zu unterwerfen. Der freiheitliche Rechtsstaat tut daher gut daran, Staat und Religion zu trennen und religiöse Symbole im öffentlichen Raum zu verbieten. Alle.

Die Türkei ist ein solcher säkularer Staat. Dort ist etwa das Tragen von Kopftüchern als religiöses Symbol in Schulen und Universitäten verboten. In Deutschlands Schulen und Gerichten hängt dagegen immer noch das Kruzifix.

Auch wenn eine islamistisch eingestellte Regierung das Zepter in der Hand hält, wird die säkulare Minderheit durch die türkische Verfassung vor der religiösen Mehrheit geschützt. Das ist der Zweck staatlicher Ordnung.