Was ist der Islam? Eine spirituell motivierte Religion oder eine politische Ideologie. Ein Glauben, der Konventionen erzeugt oder ein restriktives Regelwerk, dass die Religion dazu benutzt, Menschen zu bevormunden und ihnen die Freiheit zu rauben. Leben wir in einer religiösen Gesellschaft oder ist der Glaube nicht reine Privatsache?Ich habe die Rede des Bundespräsidenten aus gegebenen Anlass nicht gehört, aber dieser Teilaspekt reicht mir. Was ich nicht gehört habe, schreiben Broder und Mohr im Tagesspiegel:

Doch hier fehlt dann wieder das entscheidende Wort: Aufklärung. Es kommt in Ihrer Rede nicht vor. Weder Kant noch Voltaire, weder Spinoza noch Moses Mendelssohn. Das ist kein Zufall, denn auch die alten Römer und Griechen kommen bei Ihnen ja nicht vor, weder Aristoteles noch Sokrates oder Seneca. Kurz: Die gesamte europäische Geschichte von Aufklärung, Revolution und Humanismus ist Ihnen keinen einzigen Satz wert. Dabei ist sie doch die Grundlage unserer demokratischen Republik.

Wulffs Rede muss so schlecht gewesen sein, wie zu befürchten war. Seine Präsidentschaft ist wohl nur noch zu retten, wenn er Sarrazin als Redenschreiber engagiert. Das hat der Mann (Sarrazin) gelernt. Vorgetragen wird dann von Walter Sittler vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof.

Stuttgart 21 und Sarrazin zeugen davon, dass eine Rede gebraucht worden wäre, die das fehlende intellektuelle Fundament der veröffentlichten Meinung offenlegt, die mit der öffentlichen nicht mehr zu synchronisieren ist.

Die Explosion des diffusen Lebensgefühls grüner Geländewagenfahrer hätte die Frage erlaubt, ob Innovation und Fortschritt in diesem Lande noch eine Chance haben und wie wir den vierten Faktor, das Wissen, besser und gerechter verteilen und schneller neues entdecken.

Vielen erscheint der Islam als ein konsistentes Lebensgefühl. Dabei fehlt ihm das gleiche Wort wie der Rede Wulffs: Aufklärung. Der Islam braucht eine Reformation um von der Ideologie zur Religion zu werden. Die Buchdruckkunst, die mit der Bibel für jedermann die Reformation auslöste und das Christentum säkularisierte, geht dem muslimischen Glauben noch ab.

Nur dann taugt er nicht mehr zur Disziplinierung und ist mit einer offenen Gesellschaft kompatibel.