So einfach ist das. Patricia Schäfer mischt in einer ihrer letzen ZDF-Morgenmagazin-Moderationen fröhlich den Nahrungsmittelmangel und die Griechenlandkrise zusammen. Schuld sind – na klar – die Spekulanten. Jetzt wird die Frau London-Korrespondentin. Vielleicht hilft ihr das. Eleni Gabre-Madhin erzählt bei TED, wie sie den Hunger in Äthopien erfolgreich mit einer Warenterminbörse verhindert. Da kennen die Bauern schon den Preis für den Weizen, bevor sie ihn anbauen. Und vernichten ihn nicht wie früher, weil es zuviel davon gibt und der Preis ins bodenlose fällt. Die Funktion der Spekulation ist ganz einfach: Sie verteilt Risiken auf verschiedene Schultern. Spekulanten sichern den deutschen Autobauern einen verlässlichen Dollarkurs und den Fluggesellschaften einen kalkulierbaren Kerosinpreis.

Spekulanten verpflichten sich, beides zu einem bestimmtem Preis anzubieten oder abzunehmen. Fällt der jeweilige Kurs unter den vereinbarten Preis, hat der Spekulant ein Geschäft gemacht. Und umgekehrt.

Ist der Spekulant schlau, so sichert er sein Risiko durch eine weitere Spekulation ab. Dass beide oder mehrere gleich schief gehen, ist unwahrscheinlich. Setzt er (wie etwa die staatlichen deutschen Landesbanken) auf nur eine Spekulation und nur ein “Risiko”, ist er pleite.

Deshalb kann man zwischen guter und schlechter Spekulation auch nicht unterscheiden.

Die Explosion des Weizenpreises und der Verfall des Dollars sind aber keine Folge von Spekulation. Beim Weizen übersteigt die Nachfrage das Angebot, beim Dollar ist es umgekehrt. Wenn solche Entwicklungen verstärkt werden, hat das vor allen Dingen einen Grund: Es gibt zuviel Geld auf der Welt.

Oder anders gesagt: Die Zentralbanken haben zur Abwehr aller möglichen Krisen immer mehr Papier- oder virtuelles Geld in den Markt gepumpt, das die Banken mit lockeren Bilanzrichtlinien und der sogenannten Buchgeldschöpfung noch einmal zusätzlich vermehren können. Weil dieses Geld von der Realwirtschaft nicht nachgefragt wird, versucht man anderweitig, Geld damit zu verdienen. Auch hier waren die Landesbanken und die staatliche IKB an vorderster Front dabei. Denn die hatten nicht mal mehr ein Geschäftsmodell, was nichts anderes heißt, als dass ihre Leistungen von der realen Wirtschaft nicht mehr nachgefragt wurden.

Das ändert aber  nichts daran, dass viele Risiken ohne Spekulanten untragbar wären. Aber darüber redet ja keiner.