Mit der Neuerscheinung ging die Kritik ausgesprochen gemässigt um. Die Jugendrichterin Kerstin Heisig hatte unter dem Titel ” Das Ende der Geduld” drastisch anhand von Beispielen beschrieben, was faul ist im Staate. Eine kleine Gruppe krimineller und gewaltbereiter Jugendlicher, von denen die meisten einen “Migrationshintergrund” haben, stellt das staatliche Gewaltmonopol in Frage und kommt in der Regel damit durch. Zwischen ihren Raubzügen und kriminellen Taten werden sie und ihre Klans von Job-Centern betreut und erhalten im Gegenzug für regelmässiges Erscheinen ebendort Hartz IV. Kirsten Heisig nahm sich vor Erscheinen dieses Buches das Leben und entging so den Kritikern, die sie sonst wegen unlauterer Verallgemeinerung gegeißelt hätten.

Der Gedanke kam mir gestern, als ich wieder einmal bei Anne Will reinschaute, obwohl es schon wieder um Thilo Sarrazin ging. Das Thema wird überall ausreichend abgehandelt, auch hier, und die Aufmerksamkeit der veröffentlichten Meinung steht nicht im Verhältnis mit dem Gewicht der Hypothesen, die er verbreitet.

Aber gestern wurden die Hypothesen und Beispiele, die die verschämt “verstorben” genannte Heisig definiert hatte, eingeblendet und es wurde jedermann offenbar, dass ihre aus der täglichen Praxis entstandene Erkenntnis sich vom Ergebnis der statistischen Analyse Sarrazins nicht unterscheidet. 

Gott sei dank wurde sie nicht so angegriffen wie Sarrazin. Aber zeitlebens hatte sie mit Widerständen und Unterstellungen zu kämpfen. Wie wäre ihr Buch wohl aufgenommen worden, wenn sie sich der Kritik nicht durch Selbstmord entzogen hätte?