Spiegel Online macht mit der großmütigen Kanzlerin auf, die “in Deutschland lebende Türken in Schutz nimmt”. Das ist wirklich nett von Mutti und die Türken haben natürlich auch ein Recht darauf, von Deutschlands oberster Literaturkritikerin in Schutz genommen zu werden. Interessanter ist aber die Bebilderung, die die SPON-Redakteure für ihren aktuellen Aufmacher gewählt haben: Zwei junge Mädchen mit offensichtlichem Migrationshintergrund tragen selbst gemalte Schilder mit der Aufschrift: “Wir sind Deutschland”. Beide lächeln nett und scheinen ziemlich hübsch zu sein, leider ist das nicht genau festzustellen, denn sie haben ihre Köpfe schariakonform mit Zweikomponentenkopftüchern umwickelt.

Vor etwa vierhundert Jahren wäre das Deutschland gewesen. Ein Land, in dem die Konfession politisch war, in dem der Wechsel derselben tödlich enden konnte, ein Land, das die Konfessionen in einen mörderischen Krieg stürzten. 1600 waren unverheiratete oder verwitwete Frauen in vielen Gegenden in größter Gefahr, als Hexe war man schnell Geschichte, das persönliche Eigentum wurde unter den Profiteuren dieses Wahns (in den allerseltensten Fällen Inquisitoren) aufgeteilt. Eiferer und Frömmler konnten in kurzer Zeit die Kontrolle über Mobs übernehmen, die wie 1614 in Frankfurt ganze Städte in Chaos stürzten. Eigentum, persönliche Freiheit und das Gesetz hatten sich im Zweifel der religiösen Konformität unterzuordnen. Lutheraner und Calvinisten trieben es in dieser Hinsicht besonders wild, wenn sie denn in der Mehrheit waren.

Und das Kopftuch ist das Symbol dieser gesammelten Rückständigkeit. Die beiden sympathischen Frauen sind nicht Deutschland 2010, sie sind Deutschland 1600.

Bald ist der Ramadan vorüber und muslimische Fanatiker werden gemeinsam mit Links- und Rechtsradikalen auf den hiesigen Straßen den “Al-Quds”-Tag begehen. Im letzten Jahr sorgte die Polizei in Berlin dafür, dass Gegendemonstranten die versammelten Klerikalfaschisten nicht mit Israelflaggen oder der hebräischen Sprache belästigten, vielleicht ist die Kanzlerin dann so gnädig, ihre schützenden Hände ausnahmsweise über diesen Teil ihrer Untertanen zu legen. Zwischen zwei Buchrenzensionen findet sie hoffentlich die Zeit dafür.