Ist das nicht Schizophren? Da stellt Spiegel-Autor Christoph Schwennicke, der es mit Tatsachen gelegentlich nicht so genau nimmt und vielleicht deswegen bei der SZ war und dem DGB als Kronzeuge gegen den freien Markt zur Verfügung steht, eine glühende Philippika für den Abzug der Nato aus Afghanistan ins Netz und kurz darauf überrollen den Fachmann für fast alles und sein Hausblatt die bitteren Tatsachen. Denn während Schwennicke in seiner gemütlichen Redaktionsstube ständig über Vietnam nachdenken muss und furchtbare Parallelen zu Afghanistan entdeckt, werden kleine Mädchen vergast und Frauen verstümmelt. All das ist aber nicht so wichtig, denn viel wichtiger ist dem Herrn Redaktör:

“Nichts von dem, was an westlichem Kulturverständnis implantiert wurde, hat so tiefe Wurzeln geschlagen, dass es einen Abzug zu einem realistischen Datum überdauern würde. Außerdem: Mädchenschulen, Brunnen und Straßen sind erfreuliche Begleiterscheinungen eines Einsatzes. Sie begründen ihn aber nicht.”

Gleichberechtigung, das Recht, nicht vergast oder verstümmelt zu werden, Bildung und Sicherheit sind nichts als “westliches Kulturverständnis”, das die Amerikaner im Wahn ihres “imperial overstretch” den Afghanen zu “implantieren” versuchen. Die Europäer haben ein Recht darauf, die Afghanen sollen schön in der Todeskultur der Taliban verharren. Suum Cuique, den Deutschen Mindestlohn und DGB und den Afghaninnen eine gepflegte Nasenamputation.

Oswald Spengler bezeichnete einmal den Zustand als perfekt, in dem jeder wisse, wo sein Platz in der Hierarchie (des Staates) ist. Im Falle der Afghaninnen scheint Schwennicke eine sehr konkrete Vorstellung zu haben und Bibi Aisha auf dem Titel des Magazins “Time” illustriert diesen Platz ganz vortrefflich.