“Seit dem Röhm-Putsch wusste jeder, was in Deutschland die Stunde geschlagen hatte”. Das sagte Ewald-Heinrich von Kleist bei seiner Rede anlässlich des Gelöbnisses der Rekruten am 20.Juli 2010 im Hinblick auf den Nationalsozialismus. Die Mörder hatten, so sagte er sinngemäß, schon 1934 zum frühstmöglichen Zeitpunkt ihre Maske fallen lassen  und nicht nur SA-Chargen sondern gleich auch noch andere Unliebige samt Ehefrauen umbrachten.

Dass es 10 Jahre bis zum Attentatsversuch durch Teile des deutschen Soldatenadels gebraucht hat, erklärte er damit, dass man erst in die entsprechenden militärischen Positionen kommen mußte, um den Putsch zu wagen.

Wir haben hier die ganze Angelegenheit schon kritisch diskutiert. Denn die meisten Beteiligten am 20.Juli waren keine lupenreinen Demokraten und wollten keinen freiheitlichen Rechtsstaat. Trotzdem waren sie die einzigen, die spät – sehr spät – Hitler nach dem Leben trachteten und bereit waren, das eigene dafür zu riskieren, obwohl sie es in die Schreibstuben des Stabes hinter der Front geschafft hatten.

Den Altvorderen kann man kein schlechteres Zeugnis ausstellen. Wenn Kleists Bemerkung stimmt, dann hätte sich mehr Wiederstand regen müssen.

Dass das intellektuell ging, zeigt der Mann, dem ich hier unautorisiert das Pseudonym entlehnt habe. Walter Eucken lebte und lehrte in Freiburg an der Universität des Nationalsozialisten Heidegger unversehrt liberale Marktwirtschaft und veröffentlichte 1938 die “Grundlagen der Nationalökonomie”, in der seine Interdependenz der Ordnungen erstmals definiert wurde: Eine Marktwirtschaft bedarf eines freiheitlichen Rechtsstaates und umgekehrt. Eine Plan-, Zentralverwaltungswirtschaft bedarf dagegen der Diktatur, damit der zentrale Plan per Zwang auch  gegen die durchgesetzt werden kann, die nichts davon haben.

Walter Euckens Frau war übrigens jüdischer Herkunft. Es ist sicher auch ihm zu verdanken, dass sie an seiner Seite in seinem Haus überleben konnte.