Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet die Armen reich. Gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt berechnet edas der SPD nahestehende Institut die vermeintliche Einkommensverteilung in Deutschland auf der Basis der Befragung von 1000 Haushalten. Nun hat es festgestellt, dass auch diejenigen, die es für die deutsche Mittelschicht hält,mehr vom Staat bekommen, als sie einbezahlen müssen. Die Berechnungen sind obskur, die Feststellung falsch und die bürgerliche Presse von FAZ bis zur Rheinischen Pest vergrezt die eigene Klientel, in dem sie das, was die Armutsforscher behaupten, unwidersprochen nachäfft.

Zum Beweis:  Eine dreiköpfige Familie, die der Mittelschicht angehört, soll nun zwischen 1720 und 3690 € verdienen. Darunter ist man Unter- darüber Oberschicht. Mit vier Kindern sind 86 bis 172 € mehr. Bei einem Einkommen von 1700 bis 2600 € erzielt man einen Nettogewinn von 416 €, zwischen 2600 und 3600 sind es immer noch 116. Wer darüber liegt zahlt drauf und zwar kräftig. Durchschnittlich erhält jeder Haushalt 864  € an Sozialtransfers.

Davon entfallen 451 € auf die gesetzliche Bruttorente, 126 € auf die öffentlichen Pensionen, 47 € auf das Arbeitslosengeld II, 73 auf das Kindergeld, 8 auf das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse und 11 auf die Eigenheimzulage. Sonstiges machen 148 aus.

Anders gesagt, dieser Betrag kommt nur zustande, wenn man gleichzeitig eine gesetzliche Rente und als Beamter eine staatliche Pension beziehtm, die so niedrig sein müssten, dass gleichzeitig noch 47 € Hartz IV fällig wären, während man krank ist und deshalb Krankengeld von der Krankenkasse erhält und als Rentner auch noch Kinder im eigenen Haushalt erzieht, die entsprechendes Kindergeld erhalten.

Dabei sind Renten und Pensionen und auch das Krankengeld keine Sozialtransfers, sondern Leistungseinkommen. Sie sind das Resultat geleisteter Arbeit. Die Arbeiter und Angestellten haben hierfür Beiträge eingezahlt und im Gegenzug das Versprechen erhalten, auf der Basis der geleisteten Beiträge später eine Rente zu erhalten. Bei den Beamten ist die Pension ebenfalls Bestandteil des Einkommens, sie richtet sich nach der Höhe des Einkommens und der Dauer der Dienstjahre. Das gilt selbst für das Krankengeld. Hierfür haben die gesetzlich Versicherten, zu denen die Beamten eben nicht gehören, Krankenversicherungsbeiträge geleistet.

Folgt man also der absurden Logik des arbeitenden Rentners mit Pensionsanspruch, so entfallen durchschnittlich 585 € auf Leistungseinkommen, die in direktem Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit des Leistungsempfängers stehen. Bleiben Transfers, die nicht aus eigenem Einkommen begründet worden sind: Satte 279 €. Das relativiert das Bild doch deutlich.

Die höhere Einkommensgruppe erzielt ein deutliches Minus in Höhe von  163 €. Der Bezieher des Einkommens von 1700 und bis 2600 € hat nach der DIW-Schätzung immerhin einen Überschuß von 137 €, weil die Kalkulation davon ausgeh, dass man zwischen 1700 und 2600 € immer gleichbleibend hohe Transfers erhält und gleich hohe Steuern und Abgaben zahlen muss.

Dass ist aber definitiv nicht der Fall. Bis zur Beitragsbemessungsgrenze steigen die Beiträge zur Sozialversicherung linear an, weil ein immer gleicher Prozentsatz fällig wird (das gilt nicht für die Beamten). Gleichzeitig ist entscheidend, wieviele Erwerbstätige in einer Familie vorhanden sind. Ist der Vater Alleinverdiener, wird nur ein Beitrag für die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung fällig und Mutti und die Kinder sind entsprechend mitversichert. Mindestens gegenüber bei der Krankenversicherung entsteht ein entsprechender Vorteil, weil alle ihre Leistungen erhalten, wie als ob eine mitarbeitende Mutter einen zusätzlichen Beitrag leisten würde.

Die zweite Hypothese lautet: Die Mittelschicht nutzt den Staat mehr aus, weil sie ihre Kinder in den Genuß staatlicher Einrichtungen kommen lässt, also etwa beim Kinderturnen, -sport und -schwimmen, wo 64% das Angebot nutzen, obwohl nur 59% der Kinder aus der Mittelschicht stammen. Bei der frühkindlichen Erziehung beuten dagegen die Superreichen von der Oberschicht die Steuerkasse aus: 29% Prozent schicken ihr Kind in den Musikunterricht, während die Mittelschicht nur 1 % weniger in die Musikschule schickt.

Ab sechs sind zusätzlich zum regulären Unterricht 62% in zusätzlichen Sport AGS, wieder nur 58 im Musikunterricht und sonstige AGs werden von 66% besucht.

Auch bei Aktivitäten außerhalb der Schulen sind immer zwei, drei Prozent mehr  Anteil zu finden, etwa bei Sport und Musik. Nur Jugendzentren besucht das Kind von Otto Normalverbraucher weniger.

Natürlich gibt es auch mehr Gymnasiasten als Hauptschüler und die kosten nicht nur pro Schuljahr mehr sondern gehen ja auch noch länger zur Schule.

Das alles ist ziemlicher Unsinn. Als meine Tochter bei den Spandauer Wasserfreunden schwimmen lernte, kostete das ordentlich Geld, rund 200   € für die Woche. Auch der Tennisunterricht war nicht umsonst. Den frühkindlichen Sport absolvierte sie in einem privaten Balletstudio und nur die frühkindliche Erziehung wurde in der Musikschule des Bezirks absolviert. Dort waren aber die Gebühren meines Wissens nach dem Einkommen der Eltern abgerechnet, wie dies auch bei den Kindergartengebühren der Fall war.

In der Grundschule war sie auf einer Ganztagsschule. Die Nachmittagsbetreuung wurde jedoch nicht von Vater Staat bezahlt, sondern zur Hälfte von den Eltern. Seit 6 Jahren macht sie auch nicht mehr Sport im Verein sondern im privaten Fitnessstudio, wo auch ihre Eltern Mitglied sind.

Kein Schaubild gibt es aber für die Kosten des Jugendamtes für die Betreuung von verhaltensoriginellen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die von der Mittelschicht vermutlich weniger oft in Anspruch genommen werden. Ebenfalls nicht berücksichtigt dürften die Kosten der Jugendhilfe im Allgemeinen und der Betreuung einzelner Kinder und Jugendlicher. Wie sieht es mit den Sozialtransfers aus, von denen die Mittelschicht durchschnittlich 48  € neben der Pension, der Rente und dem Erwerbseinkommen natürlich, bezieht.

 Daneben möchte ich mal die hohe Anzahl Rentner und Pensionäre sehen, die eine Durchschnittsrente von 2.600  € oder gar 3.600 € beziehen. Das ist weniger die Regel als die Ausnahme. Da es sich ja um Durchschnittsrenten handelt, müssen die ja vorher versteuert worden sein, also als Bruttorente noch einmal rund 20% höher sein.

Dass bei der bürgerlichen Presse aber nur Redakteure sitzen, die diesen klassenkämpferischen Unsinn widerspruchslos im copy and paste Verfahren unter´s Volk bringen, macht mich fassungslos. Aus Prinzip werden sie hier deshalb nicht verlinkt.