Damit es doppelt so teuer wird, berichten ARD und ZDF abwechselnd von der Tour de France. So kann jeder mit seinem eigenen sündhaft teuren HD-Übertragungswagen, Technikern, Redakteuren, Moderatoren, Kameraleuten, Regisseuren und Kabelhilfen durch Frankreich zu reisen, Produzenten und Aufnahmeleiter nicht zu vergessen. Wie bei der WM steht der technische Aufwand im reziproken Verhältnis zum journalistischen Gehalt. Belanglose Einspielfilmchen müssen allerdings vor Ort auch geschnitten und bearbeitet werden. Dabei ist auffällig, dass der krebsgestählte Altdoper Lance Armstrong hinterher fährt. Niemand erlaubt sich die Frage, ob das an den vielleicht verbesserten Doping-Kontrollen liegt.

Damit mich keiner falsch versteht: Im Interesse des medizinischen Fortschritts und zur Vermeidung überflüssiger Tierversuche bin ich für die Freigabe aller pharmazeutischen Hilfsmittel im Leistungssport. Die Teams werden dann nicht mehr von der Telekom gesponsert sondern von Bayer und Pfizer. Und auf die entsprechenden Mittel greifen Arzt, Apotheker und Patient gerne zurück, wenn der Athlet lebend bis Paris kommt und dann auch noch im gelben Trikot.

An den allnachmittäglichen Live-Übertragungen stört mich allerdings zweierlei: Erstens die Scheinheiligkeit der öffentlich-rechtlichen Reporter, mit der die Ausflüge der ehemals gedopten Radrennfahrer kommentiert werden, ohne dass das Thema Doping überhaupt erwähnt wird.

Und zweitens die Tatsache, dass so eine Veranstaltung überhaupt von den öffentlich-rechtlichen Anbietern aus Zwangsgebühren finanziert übertragen wird. Und das gilt natürlich auch für die Fußball-WM, die Olympiade oder die Bundesliga. Alles was privat aus freiwilligen Abonnement-Gebühren oder Werbung finanziert werden kann, soll auch bei SAT1 oder Pro Sieben laufen. So lassen sich die Zwangsgebühren veritabel senken, ohne dass der Zuschauer einen Verzicht üben muß.