Mit der Währungsunion hat Helmut Kohl die Stimmen der Ostdeutschen bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl gekauft. Die haben erst später gemerkt, dass sie dafür selber bezahlen mussten. Denn mit einem Schlag waren die von der Industrie in der damals noch existierenden hergestellten Güter gar nichts mehr wert. Und für hartes Westgeld wollten sie selbst nicht mal kaufen, was im Osten hergestellt wurde.  Eine Währungsunion war ohne Alternative. Aber musste es diese sein?

In der DDR gab es kein Geld. Dem Tauschmittel “Mark der DDR” fehlte die Kapitalfunktion. Es wurde nur hilfsweise eingeführt, weil die zentrale Plankommission der DDR nicht jedem Bürger des Landes seinen konkreten Bedarf an Dingen des täglichen Bedarfs vom Scheitel bis zur Sohle genau zuweisen konnte.

Die Sparvermögen waren deshalb kein Kapital, sondern Symbol für entgangenen Entzug früherer Planperioden. Deshalb gab es auch keinen Zins. Auch für die “Betriebe” war das Geld lediglich ein Instrument zur Reduktion der Komplexität des zentralen Plans. Geld hatte keinen Preis. Es gab keinen Zins und keinen Gewinn. Deshalb wurde der Kapitalstock der DDR-Wirtschaft aufgezehrt, weil er nichts erwirtschaften konnte, um die regelmässigen Abnutzungen und Abschreibungen zu verdienen und neue Maschinen und Anlagen aus diesen Erträgen anzuschaffen.

Gleichzeitig waren die Betriebe verschuldet. Weil der sozialistische Staat per se keine Schulden machen durfte, wurde den Kombinaten und VEBs auferlegt, Kindergärten zu bauen und das Ausbessern der Strassen zu übernehmen.  Mit dem Bilanzstichtag 01.Juli 1990 wurden die Schulden in “Aluchips” reale Verbindlichkeit, ohne dass ihnen auf der Habenseite ein Vermögensgegenstand gegenüber gestanden hätte.

Thilo Sarrazin schildert eindrucksvoll, wie man im Bundesministerium der Finanzen die Währungsunion zurecht bastelte. Um den Massenexodus aus dem Osten zu stopfen, war die Umwandlung der Erwerbseinkommen 1:1 wohl tatsächlich unausweichlich.

Aber das hätte man ja mit den Spareinlagen, dem Geldvermögen auf den Banken und den Unternehmensbilanzen nicht genauso machen müssen. Das meint Edgar Most, früher Vize-Präsident der Zentralbank der DDR, der später bei der Deutschen Bank unterkam. Er sieht den “Umtauschkurs” zwischen D-Mark und Mark der DDR zwischen 1-7 und 1-10. Damit wären die Schulden in den Eröffnungsbilanzen der DDR-Unternehmen erheblich niedriger gewesen und die Sanierung des ein oder anderen hätte Sinn gemacht.

Tatsächlich wurden die meisten so entstandenen Schulden von der Treuhand übernommen. Bevor die Unternehmen privatisiert wurden, musste entschuldet werden oder aber der Kaufpreis wurde mit der Verschuldung verrechnet.

Um überlebensfähig zu sein, brauchten die DDR-Unternehmen ein Produkt, eine effiziente Produktion und einen Markt. Den meisten mangelte es an allen drei Faktoren. Sie machten nach dem ersten Juli mehr Umsatz als Gewinn, während die ostdeutschen Arbeitnehmer ihre Sparvermögen in Höhe von 166 Mrd. ehemals DDR-Mark in koreanische Autos oder japanische Video-Rekorder investierten.

Deshalb hatte Most natürlich nicht recht. An der Pleite der DDR-Wirtschaft war die Währungsunion nicht schuld. Sie hat sie nur beschleunigt und verschlimmert. Erheblich. Eine andere Reform hätte weniger Schaden angerichtet.

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