Der Amerika-Korrespondet von SPON, Gregor Peter Schmitz, ist bisher vor allem durch Bush-Bashing, Berichte über die Tea-Parties und absurde Heiligenverehrung des aktuellen Präsidenten hervorgestochen. Kongenial spielte er sich mit seinem Kollegen Marc Pitzke die immer gleichen Bälle zu und fabulierte – zwischen der ein oder anderen Hymne auf “Big O” – über das gute (linke) und böse (konservative) Amerika. Jetzt hat sich mit Helen Thomas eine ganz große Figur des linken Journalismus um Kopf und Kragen geredet und Schmitz würdigt die 89-jährige Antisemitin ausgiebig.

Als “skandalöse Israel-Schelte” bezeichnet Schmitz den Ausfall von Thomas, den Rabbi Nesenhoff am “Jewish Heritage Celebration Day” vor dem Weißen Haus auf Kamera bannte. Thomas würde der Nachwelt nun nicht nur als “bahnbrechende Journalistin”, sondern auch als “harsche Israelkritikerin” in Erinnerung bleiben. Die Beobachtungen sind vom ideologischen Standpunkt ausgezeichnet zu verstehen: Eine Erzlinke, die sich gegen die amerikanische Außenpolitik und das neokoloniale Israel stellt. Das kommt in den Redaktionen und Salons dieser Republik gut an, das sind die Standpunkte der Intelligenzija.

Aber wo liegt der Unterschied zwischen “Juden raus aus Palästina” und Bonmots wie “Neger in den Busch”, “Ausländer raus” und “Deutschland den Deutschen”? Die Begriffe “Schelte” und “Kritik” werden solchen Aussagen nicht gerecht, Skandal trifft es schon eher. Aber im Fall von Thomas’ Aussage handelte es sich ja nur um Juden und die Araber müssen treu im revolutionären Volkskrieg unterstützt werden – das zog bei den Sechsachtern genauso wie heute.

Nur Am Rande: Schmitz erwähnt in seinem Artikel Dan Rather, einen “Veteranen” und “Ikone der Branche”, der gehen musste, “weil er sich am Ende seiner Karriere in einen umstrittenen Bericht über George W. Bushs Militärdienst verstrickte – und wohl von seiner Ideologie mehr leiten ließ als von den Fakten”. Schön ausgedrückt: Der Bericht war nicht umstritten, er basierte auf Dokumenten, die Rather eigenhändig gefälscht hatte und war somit erstunken und erlogen. Aber damit befindet sich Frau Thomas im Ruhestand immerhin in passender Gesellschaft.

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