Nach dem Rücktritt Horst Köhlers suchen die Parteien nun einen Nachfolger für das Amt des Staatsoberhaupts. Ganz richtig, es sind noch immer die Parteien, die nach Gutdünken einen der ihren auswählen, um ihn für fünf Jahre zum obersten Repräsentanten der Bundesrepublik zu ernennen. Die Reihe der Begründungen, warum ausgerechnet die Parteien und nicht die Bürger am besten wissen, wer Bundespräsident wird, wurde gestern in der Phoenix-Runde von Dieter Wiefelspütz vorgebracht. Sie ist einfach und klar, weswegen sie auch in den Sandkästen der Republik häufig genutzt wird: “Weil das ist so.”

Sechzig Jahre habe man in Deutschland “erfolgreich Demokratie gemacht”, darum gebe es keinen Grund das zu ändern. Offen ließ der SPD-Abgeordnete, warum es trotz dieses unglaublichen Erfolges immer weniger Menschen gibt, die bereit sind, bei Wahlen ihre Stimme abzugeben. Warum Politiker nicht mehr ernst genommen werden, warum das Vertrauen in die Politik auf einem Tiefpunkt angelangt ist. Die Antwort ist einfach: Im Grunde vertraut die politische Klasse ihren Bürgern nicht über den Weg. Wenn es um die Direktwahl des Bundespräsidenten geht, wird diese Möglichkeit entweder mit dem senilen Paul Hindenburg, einem neuen Superdemagogen oder Figuren wie Dieter Bohlen oder Günther Jauch in Verbindung gebracht. Warum die Österreicher solchen akuten Versuchungen bisher nicht erlagen, können die politischen Besitzstandswahrer nicht erklären.

Der nächste Präsident, soviel ist völlig klar, wird ein treuer Parteisoldat der CDU werden. Ob er nun von der Leyen, Schäuble oder Lammert heißen wird ist völlig egal, Hauptsache er macht keinen Ärger und unterschreibt Gesetze.