Für die Deutschen war die Währungsunion ein Geschäft. Bis zu seiner Einführung hatte die deutsche Industrie immer dann, wenn sie neue Produktivitätsfortschritte erzielte, damit zu kämpfen, dass die italienische oder französische Konkurrenz trotzdem wieder um 10, 20% billiger wurde. Die Notenbank hattte Lira und Francs einfach abgewertet. Das machte auch den Urlaub dort billiger und verschaffte dem Tourismus einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den teuereren deutschen Herbergen. Seit dem Euro ist das anders.

Der Boom des Tourismuslandes Mecklenburg-Vorpommern wäre ohne Euro undenkbar, weil für süddeutsche Familien die Ferien in Italien eben doch billiger gewesen wäre. Heute ist die Tasse Espresso an der Cote d´Azur international am teuersten.

Das Tourismusland Griechenland geriet gegenüber dem Wettbewerber Türkei in´s Hintertreffen. Dort boomt die Wirtschaft, die Inflation ist hoch und die Währungs sinkt beständig. Der Preis für die Flasche Villa Doluca (Weißwein) sank in den vergangenen Jahren von über drei auf unter drei € und  damit um mehr als 10%.

Wenn es um eine Euro-Bilanz geht, steht Deutschland also auf der Gewinnerseite. Die erheblichen Anstrengungen zur Produktivitätssteigerung wären sonst verpufft. Und die Komplexität des Geschäfts und die Notwendigkeit, sich gegen Währungsschwankungen abzusichern, ist gesunken.

Trotzdem hat der Euro die notorischen Schwächen einer Scheinwährung. Dahinter steht nichts. Sie funktioniert nur solange, wie alle glauben, sie könnten das Geld im Zweifelsfall ja bei der Zentralbank in Gold eintauschen.

Die Geldmengenausweitung durch die Zentralbank wird multipliziert durch die Buchgeldschöpfung der Privatbanken. Die Geldmenge, die das reale Wirtschaftswachstum übersteigt, wandert in Spekulationsblasen, wo sie regelmässig verpufft. Die Verpuffung hat je nach Größe der Blase aber eine begrenzt zerstörerische Wirkung auf die Realwirtschaft. Solange die Zentralbanken aber der Verpuffung des Scheingeldes die virtuelle Schaffung neuen Scheingeldes entgegensetzen, gießen sie Öl in´s Feuer und versorgen die wirtschaftliche Atmosphäre mit realen Aschewolken aus Scheingeld.

Die Lösung kennen wir seit v. Hayek und Mises. Beide wollten weniger Geld, das mehr wert ist. Hayek wollte die Währungsbildung wie im Mittelalter privatisieren, Mises zurück zur Golddeckung. Wahrscheinlich würde die Privatisierung automatisch zur Golddeckung führen, weil so die Werthaltigkeit garantiert wird.

Dann gäbe es auch keine Wechselkursschwankungen mehr, weil sich der Wert des Geldes im Verhältnis zum Gold sich ja nicht ändert. Es gäbe zwar weniger Geld, aber das wäre mehr wert.

Aber diese Entwicklungen sind derzeit illusorisch, weil Zentralbanker und politisches Establishment mehr denn je meinen, sie könnten mit Geldpolitik die wirtschaftliche Entwicklung verstetigen. Das Gegenteil ist der Fall.

Solange bleibt der Euro die zweitbeste Lösung, weil er einen europäischen Währungsraum schafft. Die Rettung Griechenlands war zu seinem Erhalt nicht erforderlich sondern macht die Sache eher gefährlich. Wenn unter 5% des gesamten Bruttosozialproduktes des Euro-Raums in Schwierigkeiten geraten, ist das kein Problem. Und wenn die EU-Staaten nicht wieder mal die Nerven verloren hätten, hätte IWF und Gläubigerbanken die Schuldenkrise selbsttätig gelöst. Das war in Rußland Anfang der Neunziger und in Argentinien Anfang dieses Jahrzehntes nicht anders. Die Gläubiger hätten gestundet und einen Teil der Schuld erlassen, das Schuldnerland die erforderlichen Reformen eingeleitet.

Darüber hinaus ist Griechenland auch unter den PIG-Ländern (Portugal, Italien, Irland, Griechenland) ein Einzelfall. Der hellenische Staatsbankrott hat mit der Wirtschafts- und Finanzkrise nichts zu tun. Schon beim EURO-Eintritt war das Land pleite, weil es korrupt, unorganisiert und ineffizient ist – bis auf die Knochen. Die Schulden der Iren und der Portugiesen basieren auf einem wahnsinnigen Aufholkurs der vergangenen Jahrzehnte, die beide Länder aus dem Armenhaus Europas hinauskatapultiert haben. Das dauerhafte Wachstum hat die Märkte überhitzt und das überschüssige Geld insbesondere in Spanien und Irland offensichtlich zu einer Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt geführt. Die jetzt leerstehenden Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser sind überteuert. Wenn aber ihre Preise sinken, sind sie immer noch was wert. Die Griechen haben ihre Schulden mit der Rente ab 44 und ähnlichen Aktivitäten konsumiert und nicht einmal eine ordentliche Finanzbürokratie.

Mit der Griechenland-Hilfe hat sich die EU erpressbar gemacht. Wenn es am Kapitalmarkt zu teuer wird, können die Staaten in Zukunft den Staatsbankrott proklamieren und kriegen zinsverbilligte Kredite der Mitgliedsstaaten. Solange zurückgezahlt oder umgeschuldet wird und sich das jeweilige Land wenigstens die reduzierten Zinsen leisten kann, geht das gut.

Um das rückgängig zu machen, muß das Regelwerk des Maastrichter Vertrag geändert werden. Wer die Kriterien nicht erfüllt, fliegt raus. dazu müssen die Statistiken vereinheitlicht werden und die Mitgliedsländer müssen ihre Bücher durch die Kommission prüfen lassen statt Zahlen nach Brüssel zu melden, die keiner überprüft hat.

Strafen müssen schneller greifen und Sanktionen früher ausgesprochen werden. Wer real das 3%-Kriterium reißt, bekommt im Folgejahr nur die Hälfte der EU-Förderung ausbezahlt und verliert im europäischen Rat sofort Sitz und Stimme, bis die überschüssigen Schulden wieder zurückgezahlt sind.

Also lautet die Antwort: Im Prinzip ja. Wer auf Nummer sicher gehen will, investiert lieber in Sachwerte und Aktien. Die werden zwar vielleicht an Wert verlieren, aber irgend einen Wert behalten. Das ist besser als gar nichts.