Von Atomwaffen geht keine Gefahr aus. Sondern von denen, die sie benutzen wollen. Deshalb ist es gar nicht schlecht, ein paar davon auf Lager zu haben. Damit die potentiellen Nutzer des Arsenals begreifen: Wer als erster bombt, stirbt bestenfalls als zweiter. Das hat vierzig Jahre im kalten Krieg hervorragend funktioniert. Nichts spricht dagegen, dass es so bleibt. Dass Atomwaffen hierzulande stationiert sind, hat einen entscheidenden Vorteil: So lassen sich Amerikaner und Europäer schlecht auseinander dividieren. Und dass Russland auf alle Zeiten antiimperialistisch agiert, halte ich für ein Gerücht. Sorry, Guido.

Diese Ziele lassen sich natürlich auch mit geringeren Arsenalen erreichen. Aber wichtig bleibt, dass Amerikaner, Chinesen und Russen im Gleichklang abrüsten und sich kein Ungleichgewicht ergibt. Ebenso entscheidend ist, dass die Amerikaner auf eine Bedrohung Europas nicht nur mit Waffen reagieren können, die auf amerikanischen Boden stationiert sind. Das war der strategische Grund für den NATO-Doppelbeschluß und der ist nach wie vor richtig.

Heute scheint ein kriegerischer Konflikt in Europa schwer vorstellbar. Aber mit der einseitigen Verfügbarkeit von Atomwaffen auf europäischen Boden erhöht die Erpressbarkeit. Und die Russen haben nach wie vor noch nicht verwunden, dass viele ehemalige RGW-Staaten und Sowjet-Republiken die Seite gewechselt haben und sich abseits der wirtschaftlichen Verflechtungen gen Westen orientieren. Der Versuch der Einflußnahme durch das Zudrehen des Gas-Hahns rechtzeitig zur Kälteperiode zeigt, dass man Russland heute noch nicht unterstellen kann, dass es seine Interessen mit Glace-Handschuhen anfasst. Mit der Ostsee-Pipeline liefern wir unsere Nachbarstaaten ein Stück weiter dieser Willkür aus.

Europa sollte sich nicht angreifbar machen und in den alten Reflex verfallen, den Amerikanern im Schadensfalle die Drecksarbeit zu hinterlassen um anschließend und währenddessen ordentlich über sie zu schimpfen.