Wer hier leben will, soll Deutsch können. Bis dieser Konsens gegen die revisionistische Linke durchgesetzt war, hat es gefühlte 10 Jahre gebraucht. Die Illusion von Multikulti ist immer noch unterschwellig. Trotzdem hat der türkische Ministerpräsident fast recht. Denn die meisten hier lebenden Türken lernen nicht nur nicht richtig deutsch. Sie können auch kein Türkisch. Allerdings sollten sie beides lernen. Wie das geht, dafür gibt es ein überzeugendes Beispiel: Die türkisch-deutsche staatliche Europaschule in Berlin. Unsere Freunde, die aus anderen Ländern kommen, ob Kroaten, Georgier oder Perser sind alle hier angekommen. Sie haben kein Integrationsproblem und sprechen unsere Sprache. Sie sind Ärzte, Hirnforscher oder erfolgreiche Kaufleute und angesehen in ihrem persönlichen Umfeld und haben wie wir einen Freundeskreis, in dem viele Nationen vertreten sind.

Trotzdem versuchen sie, ihren Kindern einen Teil ihrer Wurzeln und Identität zu vermitteln. Die persische Freundin meiner Tochter geht deshalb jeden Samstag auf die “persische Schule”, um die Muttersprach zu lernen. Man feiert die Traditionen und Feste, die man aus der Heimat kennt und ist stolz auf seine Herkunft. Sie ist so selbstverständlich, dass sie nicht zur Sprache kommt. Auch wenn die Georgier sich gefreut haben, dass man sich nach den politischen Geschehnissen im Heimatland erkundigt und mit den Persern auf die Strasse geht.

Wenn wir die Türken in Deutschland integrieren, dann sollten wir sie nicht zu Deutschen zweiter Klasse machen, sondern ihnen das Recht zu gestehen, ihre Muttersprache ordentlich zu lernen. Allerdings genauso früh und gründlich wie die deutsche Sprache. Die erwähnte Europaschule ist ein hervorragendes Beispiel, das sich überall nachahmen lässt.

50% der Schüler sind türkischer, die andere Hälfte deutscher Herkunft. Das gilt auch für die Lehrer, von denen die Hälfte türkisch als Muttersprache haben. Auch die Hälfte des Unterrichts findet jeweils in der Partnersprache statt, lediglich die Alphabetisierung erfolgt in der jeweiligen Muttersprache. Untereinander sprechen die Kinder deutsch.

Der Lehrplan folgt den Maßgaben beider Länder, führt aber zu einem deutschen Schulabschluss.

Die türkische Minderheit, die so weltoffen und hoch qualifiziert die Schule verlässt, wäre ein Asset für die deutsche Allgemeinheit. Denn die Türkei ist ein Wachstumsmarkt der Zukunft. Die Bevölkerung ist jung, sie explodiert förmlich. Die Türkei ist eine Demokratie und ein Rechtsstaat, auch wenn der nicht immer unseren Ansprüchen genügt. Aber doch exemplarisch im Vergleich mit seinen direkten Nachbarn (siehe die Erbdiktatur Syrien).

Deshalb hat Erdogan (fast) recht. Wir brauchen keine “türkischen” Gymnasien, sondern deutsch-türkische Gymnasien, die in beiden Sprachen die Werte unserer Gesellschaft vermitteln und die Immigranten der dritten Generation mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausstatten, die sie brauchen, um uns nicht auf der Tasche zu liegen.

Allerdings ist es noch viel nötiger “deutsch-türkische” Grundschulen und Kindertagesstätten einzurichten und endlich ein verbindliches Vorschuljahr einzuführen, das an den Schulen und nicht in den Kindergärten erfolgt. Denn je früher die Synapsen angeregt werden, beide Sprachen und ein ordentliches Sozialverhalten erlernt werden, desto größer die Chance, dass die eine erfolgreiche Bildungskarriere absolvieren können.

So wie es jetzt ist, haben sie schon mit der Schultüte in der Hand fast alle Chancen verspielt. Im wahrsten Sinne des Wortes.