Pädophilie ist zur Zeit ein großes Thema, da immer mehr Opfer schulischen Missbrauchs an die Öffentlichkeit gehen und über ihr Martyrium berichten. Natürlich schaltet sich die Politiker ebenfalls in das Thema ein: Sie sprechen aber nicht nur über Gesetzesänderungen, die den Opferschutz verbessern oder es vereinfachen, die Täter auch nach Jahren noch zu belangen. Nein, sie richten Runde Tische ein, berufen eine abgehalfterte Ex-Ministerin und Hartz-IV-Ombudsfrau in einen völlig überflüssigen Beauftragten-Posten oder machen sich grundsätzliche Gedanken über Prävention und dergleichen.

Den grandiosesten Vorschlag machte aber die FDP: Sie will bundesweit spezielle Anlaufstellen für Männer eröffnen, die pädophile Neigungen verspüren. Dort soll ihnen dann geholfen werden und die Welt ist sicher. Es ist der FDP vielleicht noch nicht aufgefallen, aber es ist unnötig, solche Anlaufstellen zu gründen und für ihre Einrichtung und das benötigte Personal öffentliche Gelder auszugeben, denn es gibt diese Stellen bereits. Psychologen finden sich gleich mehrfach in den Telefonbüchern aller größeren Städte. Auch der Hausarzt kann in solchen Fällen weiterhelfen und herausfinden, welcher Kollege für den Patienten am besten geeignet ist. Anonym ist das ganze auch, dazu sind Ärzte verpflichtet. Wer sich dort nicht helfen lässt, wird kaum eine staatliche Anlaufstelle besuchen.

Nicht einer der Vorschläge der Politik wird dabei helfen, nur ein einziges Kind vor einem Perversen zu schützen oder einen Perversen davon abhalten, zu versuchen, ein Kind zu missbrauchen. Leider wird es immer Pädophile geben und es wird immer wieder zu Kindesmissbrauch kommen, selbst die am besten informierten und wehrhaftesten Kinder sind bestimmten Autoritäten innerhalb und außerhalb der Familie ausgeliefert, ohne sich effektiv wehren zu können. Daher sollte die Regierung dort ansetzen, wo sie zuständig ist und das ist die Gesetzgebung. Lehrer, Pfarrer, Familienmitglieder bringen Kindesmissbrauch nicht zur Anzeige, weil man sich selber um “Klärung” bemühen will? Das ist die Vertuschung einer Straftat und sollte auch genau so behandelt werden. Außerdem sollte dafür gesorgt werden, dass ein Verurteilter nie wieder mit Kindern arbeiten darf.

Auf der heutigen Pressekonferenz der drei Ministerinnen Schröder, Schavan und Leutheuser-Schnarrenberger flogen Begriffe wie “staatliche Institutionen”, “Problemlösungen”, “Leitlinien” oder “ausgearbeitete Konzepte” durch den Raum und die drei Damen kamen sich äußerst wichtig vor, während die Journalisten ihre Fragen stellten. Dabei war es ihnen anzusehen, wie wohl sie sich in der Rolle der Retter fühlten. Die Sicherheit von Kindern verbesserten sie nicht, aber viele neue Planstellen stehen in Aussicht und das sieht wenigstens so aus, als würde etwas geschehen..