Der blaue Engel hat zwar den Abflug gemacht, doch es gibt zum Glück noch andere  Menschen, die mutig Missstände anprangern und ganz nebenbei in Käßmannscher Manier das völlig falsche Bild, das wir von den nationalsozialistischen Verbrechen haben, richtig stellen. So zum Beispiel Michael Lerchenberg, der “Bruder Barnabas” vom Nockherberg und selbst ernannte “Anwalt des kleinen Volkes”, der in seiner Fastenpredigt folgendes zu Westerwelle zu sagen hatte:

“Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Stacheldraht – hamma scho moi g’habt. Dann gibt’s a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: ‘Leistung muss sich wieder lohnen.'”

Nachdem einige humorlose Gestalten diese Sprüche als Geschmacklosigkeit gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus fehlinterpretierten, stellt Lerchenberg nochmal klar, warum sein missglückter Scherz ein mutiger Akt des Widerstands gegen das kommende vierte Reich war:

Er sagte der Passauer Neuen Presse, man müsse in einer solchen Rede “auch mal ein paar Sachen geraderücken dürfen”. Westerwelle schüre mit seinen Hartz-IV-Äußerungen eine “Neiddebatte” und fange an, den mittlerweile verstorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider “zu kopieren”. Lerchenberg fügte hinzu: “Es gab schon mal Zeiten, da wurden die vermeintlich Arbeitsscheuen weggesperrt. Ich habe in der Fastenpredigt nur ein paar Schritte weitergedacht.”

Blöd nur, dass er und die Rechtspopulisten in Sachen Westerwelle völlig einer Meinung sind. Abgesehen davon dürfte die Verharmlosung von Konzentrationslagern als aus dem Ruder gelaufene Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in diesen Kreisen auch ganz gut ankommen.

Lerchenberg zufolge ist politisches Kabarett “keine Lachparade”. So gesehen war sein Auftritt dann wohl ein voller Erfolg.

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