Die Moralapostel sind unter uns: In jeder Talkshow wird der Stab über den armen Bayern-Präsidenten gebrochen, obwohl noch niemand weiß, was der verbrochen hat. Auch ein Haftbefehl ändert per se nichts an der Unschuldsvermutung, zumal bekannt ist, dass die Staatsanwaltschaft bei Steuersündern gerne mal dieses Instrument nutzt, um ein schnelles Schuldanerkenntnis zu erwirken und eine entsprechende Zahlung an die Staatskasse zu erpressen. Zumwinkel lässt grüssen. Doch das stört die Freunde von Funk und Fernsehen nicht.

Dabei würde ich gerne wissen, ob Heribert Prantl und seine Lebensabschnittsgefährtin Franziska Augstein ihre Putzhilfe bei der Minijob-Zentrale angemeldet haben. Ob all die scharf urteilenden Kommentatoren  nicht schon mal die Quittung für ein privates Essen bei der Steuer eingereicht haben und dem Nachhilfelehrer ihrer Kinder das Honorar bar auf die Hand bezahlen.  Haben sie alle die Kilometerzahl für die Fahrt zur Arbeit korrekt angegeben oder nicht doch den ein oder anderen Umweg einkalkuliert, den sie nicht nehmen. Und wer von ihnen hat alle Handwerker für den Bau des Eigenheims oder die Reparatur des Autos mit Rechnung bezahlt? Nur Franzis Halbbruder Jakob Augstein braucht keine Tricks: Der Verlust, den er mit dem “Freitag” macht, reduziert den Spiegel-Gewinn und so die Steuerlast.

Steuerhinterziehung ist ein Volkssport. Der Schaden entsteht nicht durch die paar Milliarden, die ein paar Wohlhabende ins Ausland geschafft haben, nachdem sie hier darauf einen Grenzsteuersatz von rund 40% bezahlt haben. Der Schaden entsteht, weil ein raffgieriger Staat von seinen Bürgern und Unternehmen immer mehr einfordert und denjenigen, die Wertschöpfung schaffen, zu wenig lässt. Das macht Schwarzarbeit lukrativ und eine Verkürzung des versteuerten Einkommens reizvoll. Nicht nur für Uli Hoeneß.

 

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