Wenn man sich in Gefahr begibt und dann, nein, nicht gleich umkommt, aber doch ein paar negative Begleiterscheinungen zu spüren bekommt, sollte man sich nicht beschweren. Damit Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, nicht dasselbe passiert, möchte ich Sie aber hiermit warnen.

Die Gefahr, in der ich mich befand, heißt 3sat-Konsum. Ich war dieser Gefahr maximal 10 Sekunden ausgesetzt. Doch diese kurze Zeitspanne hat ausgereicht, um mein Nervenkostüm schweren Schaden nehmen zu lassen. Über den Inhalt der Ausstrahlung (Strahlung, o Gott, ich wußte es) kann ich dementsprechend wenig sagen. Es ging um (bitte hier schluchzen und eine Träne verdrücken) furchtbare Arbeitsbedingungen in Deutschland. Furchtbar daran war aber nicht etwa eine mögliche Gefährlichkeit, Dreck, Lärm, der Umgang mit giftigen Stoffen oder hohe körperliche Belastung, nein! Das Elend bestand im Phänomen der Zeitarbeit. Die ist nämlich nur legitim, um Auftragsspitzen abzufangen. Aber böse, böse Firmen nutzen sie auch, um ihre Lohnkosten zu senken. Auf diese Weise haben Menschen, die ansonsten keinen Arbeitsplatz hätten, eine reguläre Beschäftigung bei einer Zeitarbeitsfirma. Sie haben ein regelmäßiges Einkommen, auch wenn das nicht so hoch ist, wie die Gutmenschen das gerne hätten.

Liebes 3sat-Team, ich hätte da einen Vorschlag zur Behebung dieser dramatischen Notlage: stocken Sie das Gehalt der Zeitarbeitskräfte doch aus eigener Tasche auf. Geht nicht? Zu viele? Sooo viel verdienen Sie nun auch nicht? Okay, dann machen wir es indirekt: Sie stiften Ihre Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Anstalten an und Sie alle zahlen dann bitte beim antirassistischen veganen Kollektivladen einfach das Doppelte sonst üblicher Preise. Lassen Sie sich dafür vermutlich auch noch unhöflich behandeln. Und erwarten Sie gefälligst nicht, daß Sie schnell bedient werden. Schließlich zahlen Sie nicht für eine Dienstleistung, sondern geben Ihr Geld als Anerkennung der Würde des Gegenübers. Wir anderen können derweil ungestört da einkaufen, wo wir wollen. Zum Beispiel bei denen, die uns das beste Angebot machen.

Warum gibt es eigentlich keinen Grenzwert für den Rotfunk-Konsum? Zumindest regelmäßig eingeblendete Warnhinweise à la „Risiken und Nebenwirkungen“ und stets gut sichtbar die einschlägigen Gefahrgutkennzeichnungen (vielleicht giftiges Gas plus radioaktive Stoffe und von Zeit zu Zeit auch Sprengstoff) sind zum Schutz der Verbraucherinnen vor dieser Gefahr schlicht unabdingbar. Sonst sind wir mit Alarmismus in diesem Land doch auch nicht so zimperlich.

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