Die sogenannte Krise ist inzwischen ein Normalzustand. Ständig gibt es irgend etwas zu retten. Daß man dabei manchmal auch zu ungewöhnlichen Mitteln greifen muß, ist keine Überraschung. Der ungenierte Griff nach den Bankkonten der Menschen oder die Einschränkung barer Transaktionen sind daher vor allem eine Frage von Zeit und Gelegenheit. Das ist beunruhigend und ärgerlich, aber offenbar nicht allzu sehr, oder falls doch, dann nicht für viele Menschen.

Eine Stimme habe ich in dem leisen Protestgemurmel der letzten Tage und Wochen allerdings doch vermißt. Es ist die Stimme von Ilse „in meinem Müsli sind zu wenig Rosinen“ Aigner. Die Frau, die ansonsten keine Gelegenheit ausläßt, sich in das Privatleben erwachsener Menschen einzumischen, war auffallend zurückhaltend. Doch während es ihr egal sein kann und sollte, ob ich die in meinem Kühlschrank gelagerte Tomatenoption nutze oder nicht, hat sie von Amts wegen ein Interesse am Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher zu haben.

Nur zu meinem Schutz inspiziert sie schließlich auch meine Obstschale – jedenfalls behauptet sie das. Ob sie mir zu meinem Besten auch die angefaulten Äpfel in den Mund stopfen würde? Wer weiß. Dabei habe ich Äpfel und Tomaten mit meinem eigenen Geld bezahlt. Und wenn ich sie in meiner Wohnung vor sich hin modern lassen möchte, dann geht das die Ilse einen feuchten Schimmeldreck an.

Das Problem scheint mir eher zu sein, daß die Ilse gar nicht mehr weiß, was das ist: etwas mit dem eigenen Geld zu bezahlen. Das wäre auch eine Erklärung für ihr völlig untypisches Schweigen zu Überlegungen, den Bargeldverkehr einzuschränken. Dabei wäre 1. der Aignersche Alarmismus bei diesem Thema ausnahmsweise einmal angemessen und stünde 2. im Einklang mit dem ansonsten von der Ministerin so vehement verteidigten Datenschutz.

Aber ach, ich Depp! Ein Stazi wäre kein Stazi, wenn ihr oder ihm für dieses Problem nicht eine kleine Regulierung einfiele. Die Lösung ist ganz einfach: Die Daten dürfen nicht die Unternehmen sammeln, die den Zahlungsverkehr abwickeln, sondern nur der Staat. Da sind sie erstens sicher und zweitens braucht der sie ja auch. Für… äh ja, das weiß man eben nie. Aber es ist ganz sicher ein guter Zweck.

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