Antizionismus, das ist das Gerücht über die Israelis, so könnte man in Abwandlung eines bekannten Bonmots sagen. Das neueste Gerücht lautet Dank SPON und SZ: Benjamin Netanjahu hat den Konflikt mit der Hamas „eskalieren lassen“, um so im Wahlkampf zu punkten. Tatsächlich sind Kriege für die Karriere israelischer Regierungschefs brandgefährlich. Man frage nur Ehud Olmert, der wegen des Libanonfeldzugs 2006 viel Ansehen verlor. Nicht weil die Mehrheit den Krieg für unbegründet hielt, schließlich waren im Vorfeld israelische Zivilisten und Soldaten von der Hisbollah ermordet worden, sondern weil ihm und der damaligen Armee-Führung schlechte Planung vorgeworfen wurde. Die Operation Cast Lead im Jahr 2009 galt zwar als Erfolg und der Raketenterror aus Gaza nahm merklich ab, Olmerts Popularität konnte sie aber nicht steigern. Bald darauf war er sein Amt los. Die Rechnung „Krieg macht beliebt“ geht in Israel offenbar genauso wenig auf wie in den meisten anderen demokratischen Staaten.

Es erstaunt ein wenig, dass einige hochbezahlte Nahostkorrespondenten davon so gar nichts mitbekommen haben wollen, noch nicht mal Ulrike Putz, die damals sogar über Olmerts Probleme im Nachgang des Libanonfeldzugs berichtete. Sie muss die ganze Chose wohl vergessen haben, als sie jetzt die Feder zückte, um dem deutschen Qualitätsmedienlesern zu erklären, dass Netanjahu nur deswegen gegen den Dauerbeschuss seines Landes vorgeht, weil er ein bisschen PR für seine Wiederwahl machen will.

So weit, so dumm, aber die Aufnahmefähigkeit unserer Nahostreporter  war eben immer schon etwas beschränkt beschränkt. Sonst wäre Putz und ihren Kollegen vermutlich aufgefallen, dass Israels Armee eine echte Bürgerarmee ist. Seit Freitag müssen Reservisten und Wehrdienstleistende in den Krieg ziehen, also Otto Normalbürger. Was würde es wohl für die Karriere eines israelischen Politikers bedeuten, wenn er seine Wähler, deren Väter und Söhne, Töchter und Brüder, Schwestern und Freunde als Wahlkampfgag an die Front schickt? Man ist geneigt hier eine andere Antwort zu geben als die SZ, die davon schwadroniert, dass Netanjahu ohne Not Krieg spielt, um sich als „Führer“ (ja, das steht das so) zu profilieren.

Und warum genau geht Netanjahu jetzt gegen die Hamas vor? Weil die folgenden Fakten in unseren Qualitätsmedien nur selten und bruchstückhaft genannt werden schreibe ich das Offensichtliche einfach mal hin: Weil  seit  2001 mehr als 11.000 Raketen über dem Süden des Landes niedergegangen sind. 61 Israelis sind getötet, 1719 verwundet worden, Kinder müssen in Bunkern unterrichtet werden, die psychische Belastung macht die Menschen körperlich und seelisch krank und der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Dass eine Regierung derartige Zustände nicht hinnehmen kann und ihre Bürgerinnen und Bürger schützen muss sollte eigentlich glasklar sein. Von daher ist es gelinde gesagt seltsam, wenn jetzt so getan wird, als ob Israel an der berühmt berüchtigten „Gewaltspirale“ dreht oder das Eingreifen der IDF eine „Eskalation“ darstellen würde.

Übrigens liebe SZ: Die Hamas verteilt nicht einfach “soziale Wohltaten“, sie belohnt ihre Anhänger und bestraft ihre Gegner, vor allem Fatah-Parteigänger, die bei der Ausgabe westlicher Hilfsgüter in Gaza meist leer ausgehen. Das alles wohlgemerkt unter den Augen der UN und anderer „Hilfs“organisationen, darunter auch etliche, die mit deutschen und europäischen Steuergeldern gemästet werden. Um es noch deutlicher zusagen: Deutsche Steuerzahler finanzieren eine islamistische Terrorgruppe, die politische Gegner umbringt, Frauen unterdrückt, und es als Daseinszweck ansieht, Juden zu töten.

Auch deswegen, lieber Focus, frage ich mich wie man allen Ernstes behaupten kann, dass die „Trauer“ über den Tod des Hamas-Oberterroristen und Berufsmörders Ahamad Dschabari für die Raketenangriffe auf Israel ursächlich ist. Abgesehen davon ging der Dauerbeschuss aus Gaza dem Tod dieses Verbrechers voraus. Aber von einem Medium, das mit der Schlagzeile „Israel droht mit Selbstverteidigung“  Maßstäbe in der Disziplin des antizionistischen Dumpfbackentums gesetzt hat sollte man wohl nicht zu viel erwarten.

Eines ist eben gewiss: Was auch immer in Israel und Gaza in den nächsten Tagen passieren wird, die totale Unfähigkeit der deutschen Nahost“berichterstatter“ ist eine Konstante, auf die man sich verlassen kann.

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