“Nur unweit von Gaza tobt ein Bürgerkrieg, dessen Brutalität und Intensität die dortigen Ereignisse um das Mehrfache übertrifft. Der Konflikt in Syrien hat in 20 Monaten rundp 40.000 Todesopfer gefordert. Im israelisch-palästinensischen Konflikt wurden in den vergangenen 12 Jahren über 6.500 Palästinenser getötet. Natürlich ist die Opferzahl nicht der einzige Indikator des Leids. Dennoch ist bemerkenswert, wie viel leichter es vielen Palästina-Sympathisanten fällt, israelische Aggression zu geißeln als die brutale Gewalt eines arabischen Diktators gegen sein eigenes Volk. Nirgendwo ist das Freund-Feind-Schema einfacher als im Palästina-Konflikt, nirgendwo sind die Emotionen stärker. So verliert man die Relationen nur zu schnell aus den Augen”,

Darauf weist die NZZ heute laut DLF-Presseschau hin.  Und die Eskalation in GAZA kommt nicht nur dem syrischen Diktator recht. Meines Erachtens wird sie auch vom Iran instrumentalisiert. Wer nach dem Grund fragt, warum der Konflikt gerade jetzt eskaliert, kommt zu ganz anderen Schlüssen.

Bei Zettel ist von einer Analyse von Stratfor zu lesen, die auf den vermutlich israelischen Angriff auf eine Waffenfabrik im Sudan hinweist, wo der Iran Raketen fertigen lässt, die mit einer erheblich höheren Reichweite über Agypten nach Sudan und wohl auch in die Hände der Hisbollah fallen.

Andererseits wird aus der gleichen Quelle geäußert, die HAMAS sei mittlerweile selbst in der Lage, diese Raketen mit einer großen Reichweite, mit denen man auch Jerusalem und Tel Aviv erreichen kann, herzustellen.

Hatten die USA Israel wohl durch die Entwicklung des Iron Dome, also eines wirksamen Raketenabwehrsystems von einem neuerlichen Einmarsch nach Gaza abgehalten, hat sich die Lage durch die Ausweitung des Radius deutlich verändert. Wenn eine Rakete am Strand von Tel Aviv oder der Altstadt von Jerusalem einschlägt und mehr als “nur” drei Menschen tötet, wären die Folgen wortwörtlich fatal. Schon die Gefahr, spontan vom Raketenterror getroffen zu werden, ist im Alltagsleben nicht zu verkraften. Eine Ironie der Geschichte wäre es natürlich, wenn die Hamas mit den wenig treffsicheren Raketen versehentlich den Felsendom oder die Westbank treffen würden.

Abseits der taktischen Überlegungen sollten diejenigen, die nach der Ursache für die Eskalation suchen, nicht nur nach Jerusalem blicken, sondern nach Teheran, Kairo und Damaskus. Denn dort sitzen die Profiteure der Eskalation: Der Iran steht zwar wirtschaftlich vor dem Kollaps, weniger wegen der Wirksamkeit der Sanktionen sondern weil die Zentralverwaltungswirtschaft das Land ausgeblutet hat. Trotzdem will man sicher das Atom-Programm fortsetzen. Aber das Land steht nicht auf der Agenda. Die Moslembrüder in Ägypten können ihrer Bruder-Organisation HAMAS medienwirksam unter die Arme greifen und so die eigene Popularität steigern. Und Assad kann weiter morden, ohne dass jemand hinschaut.

Zu blöd, dass die arabischen Spießgesellen die Rechnung ohne die deutschen Medien gemacht haben: Bei denen steht GAZA nur noch auf Platz drei der Agenda, weil sie ihren latenten Antisemitismus nach dem Raketenbeschuss auf Jerusalem und Tel Aviv schwerlich pflegen können. Da kommt ein Geisterfahrerunfall auf der A5 mit sechs Toten gerade recht.

Ausnahme ist Richard Schneider, der gerade live im Wochenspiegel Raketenabschüsse vom Iron Dome mit dem Satz zeigt: “Das war´s für den Moment”.

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