Claudia Roth muss man weder mögen noch verstehen, und ehrlich gesagt fiele mir beides auch sehr schwer.

Trotzdem ist mir die schrille Gefühlduselnudel mit dem Betroffenheitskomplex sympathischer als „Darth Vader und Mutter Theresa“, das neue Spitzenteam der Grünen. Bei den erratischen Auftritten „der Claudi“, die nicht umsonst Dramaturgin gelernt hat, schwang immer ein Hauch von Pippi-Langstrumpf-Anarchie mit. Vom rechtsstaatvergessenen Kommunisten Trittin und der frommen Verzichtspredigerin Göring-Eckhard sind solche Impulse eher nicht zu erwarten.

Die Qualitätsmedien sind vom Duo Infernale der Ökoetatisten selbstredend begeistert.  Man  schwadroniert allerorten von einer neuen Bürgerlichkeit, SPON titelt sogar „Ö ist das neue C“. Besonders Göring-Eckhard, in der manch ein Journalist das Gesicht der gleichermaßen wertkonservativ wie ökobewegten Mitte der Gesellschaft zu erkennen glaubt, wird mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Tatsächlich changieren ihre politischen Ansichten irgendwo zwischen Margot Käßmann und  Che Guevara. Auf ihrer Website hält die Pfarrersgattin mit dem abgebrochenen Theologiestudium unter der Rubrik „Fröhlich vegetarisch“ politisch korrekte Rezepte für ihre Schäfchen bereit.  Mit Mutter Erde ist sie per Du, weswegen sie auch „keine Chemie in unserer Erde“ will und in Buchform fragt  „wendet sich die Erde jetzt gegen uns“? Wenn man sich etwas Zeit nimmt und durch die eingebundenen Videos und Artikel klickt, dann stößt man auf zwei ideologische Grundkonstanten im Göring-Eckhard’schen Weltbild: Als „Wachstumskritik“ getarnter Antikapitalismus und Kollektivismus. Letzerer kommt zeitgemäß im Mantel der „Solidarität“ und der „gemeinsamen Verantwortung“ daher.

Wenn die lebensweltlich geerdete Christin in ihrem aktuellen Video mehr Platz für Fahrräder statt Atomkraft fordert oder mit heiligem Ernst gegen „sinnlose Bauprojekte“ und Massentierhaltung  predigt, dann mag das wie harmloses Gutmenschengeblubber wirken. Ihr Appell zur „Bewahrung der Schöpfung“ und die Forderung, „so zusammenzuleben, dass jeder froh werden kann“  klingt höchstens nach wohlfeiler Kirchentagsrhetorik. Doch als es am Ende des Sermons heißt: „Das geht nur zusammen, da müssen wir uns reinhängen“, schimmert ein Hauch von Befehlston durch.

Göring-Eckhard ist so aufregend wie Früchtetee und so mitreißend wie ein Kindergottesdienst. Ihre Botschaften von einer „Kultur des Weniger“, von freudigem Verzicht im Namen der Schöpfungsbewahrung und umfassender „solidarischer“ Umverteilung im Zeichen einer ominösen „Gerechtigkeit“, sind aber kein bisschen harmlos, sondern zutiefst antiliberal und freiheitsfeindlich. Die maßlose moralische Überhöhung der eigenen politischen Ansichten und die daraus resultierende Lizenz zum Zwang im Dienst „des großen Ganzen“ hat in einer pluralistischen Demokratie nichts verloren. „Öko“ ist ganz offenbar der neue Sozialismus, diesmal mit Grünstich und Opiumgeruch.

Claudia Roth, die mit zweitem Namen entgegen anders lautender Gerüchte Benedicta und nicht Fatima heißt, hat es sich in ihrer illustren Karriere unter anderem mit der katholischen Kirche und türkischen Patriarchen überworfen. Der krawalligen Linksauslegerin darf man daher wohl eine Ahnung vom totalitären Potential alleinseligmachende Lehren unterstellen. Dem betonkommunistischen Schläfer Trittin und der Glaubenskriegerin Göring-Eckhard traue ich solche Erkenntnisse nicht zu. Deswegen tut es mir fast ein bisschen leid um die wilde Claudi.

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