Es gibt Leute,  die erkennbar nicht meiner politischen Couleur zuzurechnen sind und deren Urteil ich stets mit Aufmerksamkeit begegne. Wolfgang Menge, der heute im Alter von 88 Jahren starb, gehört dazu. Hoffentlich nutzt das ö.r. Fernsehen den traurigen Anlass, um Stücke wie das Millionenspiel oder die “Dubrow-Krise” zu wiederholen. 

“Wenn der Programmdirektor ein CDU-Parteibuch hat, ist sein Chauffeur Mitglied der SPD.”  Auf diesen Punkt brachte der Mann den gelebten Parteienproporz bei den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten. Kaum jemand hat in der Nachkriegszeit den tatsächlich vorhandenen Qualitätsanspruch eingelöst wie Menge. Weil seine Drehbücher Straßenfeger garantierten, war er unanfechtbar.

“Stahlnetz” hießen die Krimis, als der Tatort noch nicht mal erfunden war. Unter der Regie des Altmeisters Jürgen Roland gab es Mord und Totschlag in Serie am Samstag Abend. Bei “ein Herz und eine Seele” karikierte er mit dem  “Ekel Alfred” die spießige Miefigkeit des deutschen Kleinbürgertums in den Siebziger und Achtziger Jahren und traf des Pudels Kern. Ich kann mich noch an viele Eltern von Schulfreunden erinnern, in deren Wohnungen es vergleichbar zuging, bevor am Samstag mittag das Badewasser in die Wanne gelassen wurde. Dann stieg erst der Vater, dann die Mutter und erst dann die Kinder ein. Nacheinander aber in´s selbe Wasser.

Das “Millionenspiel” nahm die Quotenjagd zurecht. Wer diese Show überlebt, gewinnt die Millionen. Das ganze war so täuschend echt, dass der Sender betroffene Anrufe der Zuschauer erhielt.

Die Dubrow-Krise war genauso visionär und nahm in den Sechziger Jahren die Probleme der Wiedervereinigung auf den Plan: Die DDR grenzte ein Dorf aus, das nach ihrer Messung zum Herzogtum Lauenburg gehörte und nun plötzlich im Westen zurecht kommen musste.

Als Moderator prägte Menge die Talk-Show “Drei nach Neun” als dort noch Gesellschaftspolitik geschrieben wurde und der Schirm am Freitag Abend nicht von launigen Buch-, Platten- oder Filmpräsentationen geprägt war. Da krachte es und gab Skandale, die nicht wie bei “Roche und Böhmermann” der Klitoris der Moderatorin und derem Geruchsinn entspannten.

Wäre das öffentlich-rechtliche Fernsehen Menges Qualitätsanspruch gefolgt, so hätte es vielleicht eine Existenzberechtigung. Aber es ist mutlos, kommerziell und nicht einmal durchschnittlich.

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