Letztens Wulff, heute Merkel. Ist das ein Indiz für ihren Abgesang? Hat sie vielleicht gerade ihre Datsche in der Uckermark verklinkert und Professor Sauer ist vom Golf auf Tiguan umgestiegen und plant seine Memoiren. Die “der Islam gehört zu Deutschland” – Debatte zeugt von der Weltfremdheit der Politiker. Wir sind ein begrenzt säkularer Staat, der mit Hinweis auf die in Teilen noch gültige Weimarer Reichsverfassung verbietet, dass mit Rücksicht auf die Kirchen die Geschäfte Sonntags öfter öffnen. Wenn das die christlich-abendländische Kultur ist, na bitte. Aber welche islamische Prägung hätte ich oder hat meine bald 18-Jährige Tochter genossen? Keine. Der Islam gehört genauso wenig zu uns wie der Hinduismus. 

Religion ist Privatsache. Wie Sex. Was die Leute in ihren Gebetsräumen machen, ist genauso ihre Sache wie das, was sie in ihren Betten veranstalten. Das gilt solange, wie es im gegenseitigen Einverständnis passiert und niemand zu etwas gewzungen wird.

Ich freue mich sogar über den Einfluss von Religion auf das öffentliche Leben. Viele Bräuche und Traditionen, viele Feste haben einen religiösen Ursprung. Auf der Europaschule meiner Tochter fiel das besonders ins Auge. Weil viele Nationen und Traditionen vertreten waren, gab es fast immer etwas zu feiern. Das türkische Zuckerfest, Halloween, als es noch keine Mode war, St. Patricks Day aber auch Weihnachten und Karneval. Auch das war gut so. Alle hatten Spaß und niemand wurde gezwungen.

Aber diese Traditionen wurden von Menschen getragen und nicht von religiösen Institutionen. Sie beruhen auf Freude und Freiwilligkeit und gerade die christlichen Gebräuche fallen merkwürdigerweise oft mit heidnischen zeitlich zusammen, so wie sich unter mancher Basilika ein römischer Tempel oder eine heidnische Kultstätte fand oder die Hagia Sofia in Istanbul von der Kirche zur Moschee umgewidmet wurde.

Ich gehe zu einem türkischen Friseur. Der ist genauso preiswert wie die Discounter, man muss aber nicht warten und kriegt noch einen Tee dazu. Ich kaufe mein Gemüse und Fleisch beim türkischen Händler, weil das Gemüse frisch, das Fleisch gut und beides gnadenlos günstig ist. Eine der besten Freundinnen meiner Tochter stammt aus Persien. Und mit ihren Eltern bin ich auch freundschaftlich verbunden.

Aber in all diesen Fällen spielt der Islam keine, aber auch gar keine Rolle. Er hat keine Bedeutung für meine Entscheidung, mir dort die Haare schneiden zu lassen oder mein Gemüse zu kaufen. Mir ist herzlich egal, was die Leute glauben. So wie mir ihre politische Gesinnung herzlich egal ist: Unter meinen guten Freunden finden sich Menschen aller Coleur, mit denen sich allerdings auch herzlich streiten lässt. solange man sich respektiert.

Das ist anders, wenn dieser Glaube instrumentalisiert wird. Wenn Muslime erwarten, dass wir unser Leben mit Rücksicht auf sie ändern. Ich mag Schweinefilet. Und werde es weiter essen. Und habe nichts dagegen, wenn hübsche junge und übrigens auch attraktive ältere Damen nicht mit ihren Reizen geizen. Das ist mir eine Augenweide.

Wir sollten bei all den militanten Moslems nicht übersehen, dass es viele Menschen gibt, für die ihre Herkunft und ihre Religion vielleicht das Fundament ihres Lebens sind, aber auch nicht mehr.

Joachim Gauck hat dazu übrigens die besseren Worte gefunden: Nicht der Islam gehört zu Deutschland, sondern die Menschen, die dieser Religion angehören. Das aber ist keine Sache des Staates, keine der Gesellschaft sondern es bleibt die Privatangelegenheit der Menschen, die sich dafür entschieden haben.

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