Sie hatten es früher leichter, die Weltuntergangspropheten und Klimaretter. Da neigten die Menschen noch demütig ihre Köpfe und lauschten den Kehrt-um-und-tut-Buße-aber-es-ist-sowieso-zu-spät-Predigten. Je nach Charakter und psychischer Konstitution waren sie beschämt, gelähmt oder erfüllt von dem Bedürfnis, das Unmögliche doch noch zu versuchen. Leider blieb neben diesem Bedürfnis kein Platz mehr für anderes. Vernunft etwa oder Logik mußten weichen. Und weil sich das, wenn man es so ausdrückt, schlecht verkauft (und, ja, auch nicht nur ein bißchen peinlich ist), mußte man diesen Sachverhalt umetikettieren. Heraus kam ein modisches schwarz-weiß-Bildchen, demzufolge Natur gut und warm, Rationalität kalt und schlecht ist. In dieser Welt war mit irgendwelchem Naturzeugs begründete Irrationalität das normative und argumentative Optimum.

Aber die Feinde der warmen Irrationalität (warum Wärme übrigens ausgerechnet beim Klima nicht mehr gut sein soll, habe ich noch nicht verstanden. Aber vielleicht ist es dieser Widerspruch, der den vernunftentsagenden Naturmenschen die aufkommenden Probleme beschert hat?) rüsten zum Gegenangriff. Erfolgreich haben sie schon das Gerücht verbreitet, daß Energiesparlampen giftig sind. Nun heißt es, Photovoltaikanlagen auf Dächern könnten sich in fliegende Riesen-Rasierklingen verwandeln. Das ist zwar reine und völlig durchschaubare Panikmache, aber mehr und mehr Menschen fallen darauf herein.

Und jetzt auch noch: der Golfstrom. Den Vorhersagen zufolge hätte es ihn bald nicht mehr geben sollen. Neueste Messungen aber prognostizieren den gewohnten Warmwasserzufluß auch noch für die nächsten zehn Jahre. Mindestens. Danach könnte theoretisch Schluß sein. Aber anders als in der guten alten Zeit reagieren die Menschen beruhigt auf diese Nachricht, anstatt sich umso größere Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder zu machen.

Nein, wahrlich, es ist nicht gut bestellt um den Zuspruch zur Fundi-Öko-Welt. Oberflächlichere Zeitgenossen mögen das angesichts von Glühbirnenverbot und Energiewende, Bioladenhype und mit esoterischen Angeboten zugekleisterten Laternenpfählen nicht glauben. Doch sensiblere Gemüter können die Zeichen einer Zeitenwende nicht länger ignorieren. In einer letzten Kraftanstrengung potenzieren sie Naturzeugs und Irrationalität und rufen:

„Ach Mist, Du blödes Wasser, kehr doch bitte um und beweise uns, daß wir recht haben!“

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