Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte. Ja ich weiß, der Spruch ist abgenudelt, aber was soll man angesichts der Kampagne „Ich will Europa“ sonst sagen? Was da in mangelhafter Rechtschreibung von EU-Nationalisten ins Netz geschmiert wird lässt tief in längst überwunden geglaubte Abgründe der kollektivistischen Seele blicken und macht einmal mehr deutlich, dass EUropa das Gegenteil von Frieden, Freiheit und Völkerverständigung ist.

Da trifft Herrenmenschentum…

Ich will Europa, denn wir Europäer sind die Spitze der Zivilisation und müssen diese verteidigen. Deshalb muss Europa seine Kräfte bündeln: wirtschaftlich und militärisch.

…auf Neandertalertum.

Gemeinsam sind wir stark! Gerade in Europa ist es wichtig, dass wir zusammenhalten. Mein Onkel pflegt zu sagen: “Der Mensch ist ein Rudeltier!” Es liegt in unserer Natur sich zu verbinden und Gruppen zu bilden. Wie wäre es, wenn wir als große Gruppe in eine gemeinsame Zukunft unter Vertrauen und Respekt blicken? Ich will Europa!

Oder wie wir Liberalen sagen: Homo collectivus homini lupus est.

Außerdem gilt: Untermenschen raus!

Ich will Europa der Menschen und nicht der Banker und Banditen; nur so hat Europa eine Chance;-)

Großmachtfantasie Reloaded:

Ich will Europa, weil unsere Werte, Rechte und v.a. Freiheiten zwischen USA und China in einem größeren Ganzen am Besten vertreten werden können.

Früher nannte man es „Platz an der Sonne“, heute sagt man:

Nur ein vereintes Europa kann weltweit Akzente setzen.

Oder kurz und bündig: Euro Heil!

Ich will Europa, denn ein vereintes Europa wird die neue Weltmacht sein!

Ein junger Mann mit Seitenscheitel weiß: Eine Völkerfamilie, eine Schicksalsgemeinschaft, eine EU!

Für mich heißt Europa auch Schicksalsgemeinschaft, denn wir sind mit Blick auf die Globalisierung aufeinander angewiesen. Das bedeutet, dass wir die Erträge unserer geistigen, wirtschaftlichen und kulturellen Tätigkeit in den Dienst der europäischen Völkerfamilie stellen müssen, um die innere und äußere Freiheit zu sichern.

Großmachtfantasie, Teil 2

Ich will in keinem Deutschland leben, dass sich seine eigene Zukunft mutwillig xerstoert, denn Europa ist Deutschlands einzige Chance sich im globalen Wettbewerb mit den aufstrebenden Schwellenlaendern durchzusetzen. Ohne Europa sind wir ein kleiner Staat unter Vielen, ohne die Moeglichkeit eigene Interessen effektiv zu verfolgen. Ohne Europa wird Deutschland zum Spielball der Interessen Anderer – nur als Teil der EU koennen wir unseren Wohlstand, unseren Einfluss und unsere Sicherheit behaupten.

Mit einem Wort: Von der Maas bis an die Memel!

Ich will Europa, weil es in die Zukunft und in die Vergangenheit reicht, sich streckt von Süd nach Nord, von Ost nach West. Welch’ große Chance wir haben, welch’ große Idee!

Geradezu beängstigend ist der DDR2.0-Sprech, den viele Poster anschlagen: Da sind Menschen „bereit für den Aufbau“ und dafür „jeden Tag auf‘s Neue für Frieden und Freiheit zu kämpfen“. Gerne werden markige Appelle an die Mitbürger formuliert, die im Duktus stark an SED-Grußworte erinnern. Die Mitläufer und Blockwarttypen, die sich nicht scheuen im Auftrag der Herrschenden zu verkünden, was „wir“ „alle“ jetzt „gemeinsam“ tun „müssen“, sind immer noch unter uns. Fazit: Wer diese Sorte Europa will, der hat aus der deutschen Geschichte nichts gelernt.

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