Nicht unweit von den Protestfeldern des sozial-industriellen Komplexes über den Dächern von Berlin reden reiche junge Männer, die die erste Internet-Euphorie wohlhabend gemacht hat, vom Reich werden. Und noch mehr nicht so reiche junge Männer und weniger junge Frauen hören zu. Die Reichen nennen sich jetzt “Inkubatoren” und Company Builder und das Panel spricht natürlich englisch, weil auch ein paar Italiener und Londoner angereist sein sollen. Die ganze Veranstaltung ist ein ungewolltes Plädoyer gegen die Sozialstaatsindustrie, die Staazis, die Reichen- und Vermögenssteuer.

Denn hier fällt das Wort Enterpreneur immer wieder. Zu Deutsch Unternehmer. Und das Wort Kapital in ungeahnten Varianten. Denn die reichen jungen Männer wollen die anderen im Saal reich machen. In dem sie Kapital aus ihnen schlagen und ihr Vermögen und ihre Erfahrung zur Verfügung stellen. Hier wird nicht umverteilt, sondern vermocht.

Und es wird auf einen Mangel hingewiesen: Es braucht mehr “VC” (Venture Capital) in Deutschland. Das einzige Unternehmen von Weltrang, dass in den letzten 100 Jahren aus dem Nichts entstanden ist, heißt SAP. Wenn in den USA eine VC-Company Kapital einsammelt, übertrifft ein einziger Fonds das Gesamtvermögen der deutschen  Szene. Was dafür spricht, dass es in Deutschland eher zu wenig als zu viel Vermögen gibt. Und vor allem die Bereitschaft, dieses  in Unternehmen investieren.

Keine drei Kilometer vom Reichstag und dem Regierungsvierteln mit den ultrawichtigen Geschaftlhubern wird Politik hier nicht einmal ignoriert. Von EURO-Dramen keine Reide. Heute ist Berlin angesagt. Die Mieten sind niedrig, die Clubs zahlreich und die Infrastruktur preiswert. Wenn das Klima noch wirtschaftsfeindlicher wird, die Steuern höher und Rahmenbedingungen unangenehmer, wird das scheue Rehrudel weiterziehen.  Darüber sollten all die Neidhammel einmal nachdenken.

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