Linke und Rechte mögen sich spinnefeind sein, das Misstrauen gegen offensiv zur Schau getragenes Außenseitertum – nichts anderes ist ja Punk – ist ihnen gemeinsam. 

Bernhard Lassahn echauffiert sich auf der Achse des Guten im bräsigen Biedermannstil über die Pussy Riot Mädels. Die Kollegen Fallenstein und Tamm haben dazu alles Nötige gesagt, mir bleiben nur ein paar Ergänzungen: Wer gerne laut und ausgiebig seine Unterdrückung durch den rot-grünen Mainstream beklagt, der sollte etwas mehr Empathie für Menschen aufbringen, die ganz real politisch verfolgt werden. Den rechtsliberalen Zeitgenossen im näheren Umfeld dieses Blogs, die das Hausrecht und den Schutz der Religionsausübung gegen Pussy Riot ins Feld führen sei gesagt, dass Patriarch Kyrill sein kirchliches Amt dazu missbraucht hat, um zur Wiederwahl Putins aufzurufen. Dagegen richtete sich die Aktion von Pussy Riot. Das Gejammer über die „Entweihung“ der Christ-Erlöser-Kathedrale durch den beherzten Auftritt der drei Dissidentinnen darf demnach getrost als verlogen bezeichnet werden.  Wer dann noch „verletzte religiöse Gefühle“ als Argument für Haftstrafen anführt, der braucht sich in Zukunft nicht mehr über die dauerbeleidigten Muslimfunktionäre empören. Zudem gilt in Rechtsstaaten das Prinzip der Verhältnismäßigkeit, was die Ahndung eines simplen Hausfriedensbruchs mit ein paar Jahren Straflager offensichtlich ausschließt.

Und die Linken? Die mögen zwar Pussy Riot, weil ihre Ziele für politisch wertvoll erachtet werden, aber mit Punk können sie auch nichts anfangen. Das ist nicht weiter überraschend, denn Punks sind Kollektivismusverweigerer und daher für Utopien aller Art nicht weiter zu gebrauchen. Dass Punks immer links wären ist ein Mythos, dem nur uninformierte Zeitgenossen wie deutsche Qualitätsmusikjournalisten anhängen. Punk bejaht Hedonismus und Anarchie und lehnt daher konservative wie öko-sozialdemokratische Bürgerlichkeit gleichermaßen ab.

Punk ist auch nur in zweiter Linie ein Musikstil, vor allem steht der Begriff für eine Geisteshaltung, die stets verneint. Nicht von ungefähr bringen ein paar Funpunks aus der DDR damals wie heute die politisch korrekten Bessermenschen auf die Palme.  Wer Provokation von der Pike auf gelernt hat, der lässt sich von einem schnöden politischen Systemwechsel nicht die Show vermiesen. Deutschland braucht aus liberaler Sicht eindeutig mehr Punk: Individuum statt Kollektiv, Dagegen statt Mitlaufen, Freiheit statt Zwang, Nonkonformismus statt rinks-lechtem Einheitsbrei.

In diesem Sinne: Free Pussy Riot! Und dann geht bitte auf Deutschlandtournee!

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