Heute morgen erinnert der Deutschlandfunk an den 100. Geburtstag Milton Friedmans mit den Bemerkungen, seine Politik habe im diktatorischen Chile zu Massenarmut geführt und nur den Wohlhabenden gedient. Immerhin spielt man einen O-Ton ein, in dem Friedman Chile eine unfreie Gesellschaft nennt, die aber freier ist als die kommunistische, weil sie wenigstens wirtschaftliche Freiheit kennt. Und Alan Posener zeichnet eine gemeinsame Busfahrt mit einem Kollegen aus dem Wirtschaftsressort auf, der meint, ohne den “EURO” würde Deutschland als Exportnation untergehen.

Milton Friedmans Monetarismus ist so etwas wie der intellektuelle Vorfeldversuch der Politik der deutschen Bundesbank: Die Geldmenge darf nicht schneller wachsen als die Wirtschaft. Beide haben Recht gehabt, denn seit die Bundesbank diese Politik Anfang der Achtziger Jahre verfolgte, wuchs die Wirtschaft und sank die Inflation. Dass dies nicht so schnell geschah, wie in Großbritannien und den USA, ist dem überbordenden Sozialstaat zu verdanken, der einem Paradox folgt: Je höher der Wohlstand, desto größer der Sozialstaat.

Deutschlands Erfolg hat nichts mit der Einführung des EURO zu tun. Und unsere Wettbewerbsfähigkeit nichts mit seiner fortwährenden Existenz. Tatsächlich werden die Deutschen bereits jetzt schleichend enteignet, weil mit dem virtuellen Druck jedes neuen Euros der Wert eines bestehenden verwässert wird. Äußeres Zeichen ist die Tatsache, dass die Zinsen schon längst niedriger sind als die ohnehin geschönte Preissteigerungsrate.

Dass wir den EURO nicht brauchen, kann man an Ländern wie Schweden, Dänemark oder die Schweiz erkennen. Sie prosperieren ganz ohne die gemeinsame Währung und können steigenden Wechselkurse dank ihrer überragenden Wettbewerbsfähigkeit trotzen. Uns ginge es nicht anders.

Auch das Argument der “Größe” ist schwachsinnig. Japan stünde ja gar nicht so gut da und die Südkoreaner würden lediglich wegen eines “Aufholeffektes” so schnell wachsen. Wie falsch ist das denn? Die Koreaner haben sich von der verlängerten Werkbank längst zum Innovationsträger gewandelt. Wer ein Samsung Galaxy Telefon auf den Kaffeehaustisch legt, gilt als nicht weniger angesagt wie der I-Phone Besitzer.

Der Vorteil der deutschen Wirtschaft ist die optimale Größe der einzelnen Einheiten. Anders gesagt: Der deutsche Mittelstand, in dem die Eigentümer das Prinzip des Unternehmers leben und deren Unternehmen gerade noch so groß sind, dass dieses Unternehmertum nicht durch Profit-Center, Zielvorgaben, Prämien und Aktienoptionen simuliert werden muss. Sie sind das Rückrat einer Nationalökonomie und nicht die stets im Rampenlicht stehenden DAX-Konzerne.

Diese Unternehmen aus der deutschen Provinz brauchen für ihren Erfolg auch keinen Platz am G8-Tisch. Wie ihre schwedischen Kollegen, Diese Unternehmen brauchen nur wenig Bürokratie und ein einfaches Steuerrecht mit niedrigen Sätzen.

Nicht setzen sollte man dagegen etwa auf die Automobilindustrie. Jedes neue Modell wird so konstruiert, dass seine Herstellung um 25% produktiver gelingt. Mit denselben Ressourcen werden also 25% Fahrzeuge mehr hergestellt. Das erklärt die Mengenexplosion, bedeutet aber auch, dass selbst deutsche Premium-Hersteller mit immer mehr Varianten und Variationen irgendwann an die Grenzen ihres Wachstums stoßen werden.

Aber das hat mit dem EURO gar nichts zu tun.

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