Wer auf einer Allee zu schnell fährt und ins Schleudern kommt, hat noch nicht verloren. Erst wenn er auf den Baum starrt, lenkt er unbewusst genau auf das Hindernis zu. So verhalten sich auch die Retter. Mit dem Ziel, den Kontinent zu retten, lassen sie alte Spannungen wieder entstehen und führen Europa letztendlich in den Krieg. Und genug Panzer haben etwa die Griechen schon. 

Wolfgang Schäuble ist der Kopf hinter der EURO-Rettung. Der Badenser stammt aus einer Gegend, die an Frankreich grenzt. Jahrhundertelang haben die Staaten sich hier bekriegt, Elsass-Lothringen wechselte regelmäßig den Eigentümer und Hunderttausende ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld. Das zu verhindern, ist Schäubles höchste Priorität. Und doch treibt seine Strategie Europa zurück in den Konflikt. Europa scheitert am Euro. Und an der Illusion, die Europäer wollten mehr Integration.

Die Geschichte der Europäischen Gemeinschaft war eine Erfolgsgeschichte, bis in die Neunziger Jahre. Ihren Höhepunkt erreichte sie mit dem Binnenmarkt und dem Schengener Abkommen. Die Volkswirtschaften wuchsen zusammen und die Europäer profitierten von einander.

Das taten sie, weil sie so unterschiedlich sind. Sie sprechen andere Sprachen, haben eine andere Ess- und Trinkkultur und verschiedene Gebräuche. Im “gemeinsamen Haus” sah es in jeder Wohnung anders aus. Und das macht den Wettbewerbsvorteil des Kontinents als Binnenmarkt aus.

Doch seit Maastricht ist die Politik auf die Idee gekommen, diesen Zustand abzuschaffen. Was mit der Gurkenkrümmung begann, hat sich vom Absurden zum bedrohlichen verwandelt. Während es auf dem Kontinent nicht mal standardisierte Steckdosen gibt, soll alles immer weiter “harmonisiert” werden. Die Brüsseler Zentrale diktiert abseits der Öffentlichkeit immer mehr Dinge, die die europäischen Staaten besser alleine regeln könnten. Und die Großmannssucht der Politiker fürchtet, dass man bald an den Katzentisch der Weltwirtschaftsgipfel verbannt werden könnte. Dass man da besser lebt, zeigen Staaten wie Singapur, die Schweiz oder Lichtenstein ganz nachhaltig. Zwischen Größe und Wohlstand gibt es nur eine negative Korrelation: Je kleiner, desto wohlhabender. Dafür braucht man auch nur nach Skandinavien oder ins Baltikum zu schauen. Die Länder stehen allesamt besser da wie etwa die großen Ökonomien Frankreich, Italien oder Spanien.

Der Euro ist nur die Spitze des Eisbergs, der den Irrtum der deutschen Eliten ausmacht. Die Franzosen wollen sich von uns ihre Schulden bezahlen lassen, während sie die deutschen Autos mit Strafzöllen belegen möchten. In der EZB wird der Geldgeber Deutschland von den Gläubigern überstimmt. Und von der Fehlkonstruktion des ESM brauchen wir gar nicht zu reden. Da wird eine eierlegende Wollmilchsau geboren, die in Wahrheit Eier, Wolle und Milch stiehlt und dafür nicht belangt werden kann.

Wer wie Angela Merkel die Sache vom Ende her denkt, kann nur auf den Gedanken kommen, dass dies auf Dauer wieder in bewaffnete Konflikte führen muss. Weil die leistungsfähigen Staaten und diejenigen, die sich ihre Wettbewerbsfähigkeit vom Munde abgespart haben wie die Länder und Völker Osteuropas, nicht auf Dauer bereit sein werden, den höheren Wohlstand der anderen zu alimentieren.

Europa braucht einen Schnitt. Zurück zu Bail-Out, dem Verbot für Staatsbanken, Anleihen zu kaufen, zurück zu Binnenmarkt und Freizügigkeit. Das ist die einzige Chance.

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