Um es gleich zu sagen: Die folgenden Zeilen dienen nur dazu den Würgereiz zu verbalisieren, der mich überkam, nachdem ich unvorsichtiger Weise die Berichterstattung der deutschen „Qualitätsmedien“ über den Israelbesuch von Mitt Romney überflogen hatte. Dabei war natürlich von Anfang an klar, dass die Kombination „republikanischer Präsidentschaftskandidat“ und „zionistische Entität“ zu Hyperventilation in deutschen Redaktionsstuben führen muss. Das Ausmaß der Unverschämtheit und Ignoranz, die sich im deutschen Blätterwald die Bahn brechen, überrascht dann doch.
Selbst tendenziell nicht völlig unlesbare Medien wie das Handelsblatt entblöden sich nicht, so eine Überschrift zu bringen:
Auch SPON bietet ganz großes israelkritisches Kino:
Besonders toll treiben es natürlich die Weißwürstchen von SZ. Christian Wernicke bringt es fertig einen Beitrag zu verfassen, der so auch bei Muslimmarkt.de oder in der National Zeitung erscheinen könnte. Abgesehen davon, dass dieser Einfaltspinsel offenbar glaubt, Auslandsreisen von Politikern wären so eine Art Studiosus-Kurztrip um etwas „zu lernen“, scheint es ihm völlig unverständlich zu sein, dass sich Romney lieber auf die Seite der einzigen Demokratie im Nahen Osten schlägt als auf die ihrer Feinde. Dadurch hat sich der Republikaner in seinen Augen tatsächlich „disqualifiziert“.
Der ekelhafte Tonfall, den Möchte-gern-Journalist Wernicke dabei anstimmt, tut sein übriges:
Also tut Netanjahu, was Romney von ihm erwartet: “Mitt, da kann ich nur voll und ganz zustimmen”, säuselte Bibi, da sein Gast schwadronierte, wie wild entschlossen er sei, Irans Atom-Zentrifugen mit Waffengewalt zu zerschmettern. Der Ausflug nach Israel mag Romney kurzfristig helfen. Langfristig jedoch hat der Republikaner Schaden angerichtet: Der Nahe Osten braucht die Vereinigten Staaten als Mittler. Als solcher hat sich dieser Möchte-gern-Präsident bereits disqualifiziert.
Dieser als „Meinungsartikel“ getarnte antizionistische Brechdurfall ist selbst für das Neue Süddeutschland ein absoluter Tiefpunkt. Die deutsche USA- und Nahostberichterstattung sind für sich genommen schon keine Glanzlichter, aber wenn die geballte Inkompetenz aus diesen beiden Feldern zusammenkommt, dann wird es richtig unappetitlich.
EDIT: BTW








13 comments
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31. July 2012 at 00:36
climateobservator
Volle Zustimmung!
31. July 2012 at 07:10
FDominicus
Jeder liest deutsche Zeitungen auf eigene Gefahr. Ich bevorzuge ja inzwischen den Begriff Systempresse. Und hier haben wir wieder ein Prachtbeispiel.
31. July 2012 at 10:16
Jonatan Liebel
“Dieser als „Meinungsartikel“ getarnte antizionistische Brechdurfall ….”. Na klar, weil es nicht pro Israel oder Romney ist, ist es antizionistisch! Hier gibt es kein einziges sachliches Argument. Jemanden Weißwürstchen und Möchte-gern-Journalist zu nennen ist es wohl kaum.
“Die deutsche USA- und Nahostberichterstattung sind für sich genommen schon keine Glanzlichter…”. Warum sind sie keine Glanzlichter. Sind sie keine Glanzlichter weil sie eine andere Meinung haben als Du?
31. July 2012 at 10:32
euckenserbe
Jerusalem i s t die Hauptstadt Israels. Wer das sagt, bestätigt geltendes Recht. Und wer eine kritische Haltung gegenüber dem Atomprogramm des Iran einnimmt und das Selbstverteidigungsrecht Israels vertritt, provoziert zwar vielleicht das deutsche Establishment,betont aber eine Selbstverständlichkeit und tritt in kein Fettnäpfchen.
31. July 2012 at 14:56
lalibertine
@Jonathan Liebel: Wir haben auf diesem Blog schon oft die Israel- und USA-Berichterstattung kritisiert und wir können unsere Kritik auch mit Fakten belegen. Kannst Dich gerne mal ein bisschen einlesen. Im vorliegenden Fall schwadronieren deutsche Medienschaffende von einem “Eklat”, weil Romney Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkennt – so wie Obama (siehe Videolink) und Bush jun. vor ihm. Wer sich hier mal wieder disqualifiziert hat dürfte klar sein.
Ein schönes Beispiel für die geballte mediale Inkompetenz auf diesen beiden Themenfeldern würde ich sagen.
31. July 2012 at 16:07
Martin
Ach was. Das ist keine Inkompetenz. Es ist die bräsig-blöde Selbstgerechtigkeit linksbrauner Bessermenschen.
Wenns der “guten”, sprich anti-westlichen, anti-israelischen und im Kern eben auch antisemitischen- Sache dient, dann geht’s nicht anders, dann drängt der rotbraune Wortschleim halt nach aussen.
1. August 2012 at 14:44
Andreas von Frankfurt
Dass es niemandem auffällt, wie sehr sich der Tonfall des rechtschauvinistischen Pseudoliberalismus immer näher an den der Nazis annähert… Menschen als “Würstchen” oder andere Meinungen als “Schleim” zu bezeichnen hat “Stürmer”-Niveau! Gehen etwa die Argumente gegen den politischen Gegner aus? Oder sitzt der Hass wirklich so tief? Erbärmlich!
1. August 2012 at 16:43
lalibertine
@Andreas: Da Du darauf verzichtest auf die genannten Argumente einzugehen scheinen diese ja ganz gut zu sein.
Wer andere Menschen als “Nazis” bezeichnet, nur weil er ihre Meinung nicht teilt, der ist ziemlich oft selber braun hinter den Ohren -
vor allem wenn er das ausgerechnet Menschen an den Kopf wirft, die Israel verteidigen und nicht müde werden an die Verbrechen das Nationalsozialismus zu erinnern, so wie wir in diesem Blog.
1. August 2012 at 19:55
Andreas von Frankfurt
Bitte zur Kenntnis zu nehmen, dass ich niemanden als Nazi bezeichnet habe, okay? Mir passt einfach der Tonfall und das Vokabular nicht. War glaube ich deutlich.
1. August 2012 at 20:09
lalibertine
@Andreas: Tja, leider hast Du mich und einige der Kommentatoren in die Nähe der Nazis gerückt, und das alles nur weil Dir “der Tonfall nicht passt”. Das kann jeder oben nachlesen.
Ich schlage vor, Du nimmst Dir mal ein bisschen Zeit und setzt Dich in Ruhe mit dem Nationalsozialismus auseinander. Dann denkst Du in Zukunft hoffentlich zweimal nach, bevor Du Thesen wie “Nazis sind Menschen, die andere Würstchen nennen” postest. Nazis waren und sind (siehe NSU) Mörder und Rassisten. Nur mal so zur Info.
2. August 2012 at 09:33
euckenserbe
“der Tonfall des rechtschauvinistischen Pseudoliberalismus immer näher an den der Nazis annähert… ”
Wer im Glashaus seibert, sollte nicht mit Schleim werfen.
1. August 2012 at 16:56
Sven
Ich wüsste gern, was “rechtschauvinistischen Pseudoliberalismus” sein soll!
Und vielleicht hätten Sie Godwin lieber in der Kiste gelassen und mal nachvollziehen versucht, wie es ist, unzählige Male gegen die Auswüchse des sogenannten “Journalismus” von SZ, Zeit, Spiegel und Co zu argumentieren.
Dann würde Sie wohl auch nicht den “Stürmer” verharmlosen…
1. August 2012 at 19:10
euckenserbe
Der Stürmer hat doch seinen Zweck hervorragend erfüllt. Solche Professionalität würde ich mir von der deutschen Qualitätsjournaille auch wünschen.