Sondern an Wolf-Dieter Poschmann. Denn wir zeichnen hier nicht größtmögliche Phantasie aus. Die hatte Prantl damit bewiesen, dass er wortreich das Abendmahl bei Verfassungsrichters Vosskuhle beschrieb, dass man sich selbst am schweren Tisch in der garantierten Altbauwohnung währte, während der Präsident höchstselbst die Salatsoße abschmeckt. Obwohl Prantl nach Aussage des Bundesverfassungsgerichtes dessen Präsidenten allenfalls vor einiger Zeit im “Dienstzimmer” begegnete. Prantl kann beschreiben, was er nie gesehen hat, Poschmann kann nicht kommentieren, was er beobachtet. 

Heinz-Klaus Mertes war einst Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, was angesichts seines wohl westdeutschen Idioms immer etwas merkwürdig anmutete. Aber im CSU-Land hatte er die richtige Gesinnung. Ehrensache, dass er den Trauermarsch für den bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß kommentierte, dessen Sarg mit großem Pomp und Tschingarassabumm,die Münchner Ludwigstrasse auf einer Lafette heruntergefahren wurde, während Bundeswehr und Landespolizei Spalier standen. Als der Sarg durch das schwarz verhüllte Siegestor entschwand, hatte Mertes sich gründlich blamiert, weil er offensichtlich nicht mal die Pressemitteilung des Protokolls der bayerischen Staatskanzlei gelesen hatte und ziemlich ratlos und unwissend das Geschehen kommentierte. Anders gesagt: Vier Jahre nach meiner Entlassung bei der Bundeswehr war ich als gewöhnlicher Obergefreiter der Reserve besser in der Lage, die übertragenen Bilder und das offensichtlich vor sich gehende Protokoll zu verstehen wie der unwissende Reporter.

Live-Reportagen im deutschen Fernsehen sind ein dauerhaftes Ärgernis. Deshalb haben die Freunde der offenen Gesellschaft in unregelmäßigen Abständen vorbehalten,  für besonders schlechte Leistungen, die den üblen Durchschnitt noch unterschreiten, mit dem Heinz-Klaus Mertes Preis zu ahnden. .Ein heißer Kandidat ist z.B. der RTL-Formel 1 Kommentator Heiko Wasser, dessen vollständiges Unwissen von seinem Partner Christian Danner in jedem Rennen gefühlte zweimal pro Rennrunde korrigiert wurde.

Aus aktuellem Anlass ist nun ZDF-Urgestein Wolf-Dieter Poschmann auserwählt, weil er den Live-Kommentar zur Olympia-Eröffnungsfeier versemmelt hat. Poschmann kommentierte in bester Tradition, was er gerade auf seinem Monitor sah, ohne dem Zuschauer zusätzliche Informationen zu übermitteln. Dass der Regisseur von Slumdog Millionare verantwortlich zeichnete, fand in vier Stunden keine Erwähnung. Dafür sabberte der Mann stets dazwischen, wenn die Spannung zu greifen war und er besser hätte schweigen sollen.

Gott sei dank gibt es für dererlei Dinge einen Geheimtip. N24 bietet bei großen Ereignissen einen Dauerlive-Stream an, der wohl von Reuters übernommen wurde. Ungefiltert, ohne leidige royale “Experten” im teuer aufgebauten Glaskasten, die zwischenzeitlich von ihren Begegnungen mit der Queen im Jahre 1985 berichten können. Und auch noch mit dem O-Ton. Live und ohne nervigen Kommentator.

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