Blogger, die hohe Nutzerzahlen produzieren wollen, agieren nach den Prinzipien des Boulevards. Wachendorff geht immer, Polenz auch und wenn man die Worte Sarah Wagenknecht hat die Haare offen in einem Post unterbringt, dann finden sich in der Unendlichkeit des Netzes zahlreiche Treffer bei den Suchmaschinen. Nun treibt die unsägliche Beschneidungsdebatte die Zahlen in die Höhe und bringt auch noch bei den Kommentaren einen neuen Höchststand. Da fragt sich der Oppurtunist: Schreibe ich nicht besser, was der Leser will?

Genau genommen handelt es sich für mich als Nichtjuden und Nichtmoslem um ein juristisches Problem: Um eine Abwägung zwischen den Grundrechten des Kindeswohls, der elterlichen Erziehung und der Religionsfreiheit. Dazu gibt es zwei Gerichtsurteile. Eines des Landgerichts Köln, das die Beschneidung für eine strafbare Körperverletzung hält und eines des Bundesverfassungsgericht, die dasselbe Problem  gegenteilig einstuft. Ober sticht unter: Das OLG Köln hätte wohl besser die Sache dem BVG erneut zur Entscheidung vorgelegt. Ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz bringt uns in der Sache nicht weiter, weil die verfassungsrechtliche Frage letztlich nur durch die Anwendung des Grundgesetzes gelöst werden kann.

Doch auf diesem Sujet haben alle möglichen obskuren Leute ihr Süppchen gekocht und die Vorhaut damit überfrachtet. Die Schwanzfixierten sind hier ja bereits abgefertigt worden. Aber auch die Gegner von Islam und Judentum haben die Chance genauso ergriffen wie deren Feindbilder. Das ganze ist letztlich völlig aus dem Ruder gelaufen, wenn man sich überlegt, mit welcher Schärfe die Diskussion geführt wird. Schließlich ist die Beschneidung keine neue Entdeckung sondern eine jahrtausendealte Gepflogenheit, zu der man stehen will, wie man mag. Eine ausschließlich richtige Position wird es dazu wohl nicht geben.

Währenddessen produzieren Diskussionsbeiträge, die sich mit der Enteignung ganzer Volkswirtschaften durch Inflation beschäftigen, nur Interesse am Rande. Da fährt man mit Klimawandel und Energiewende noch ein bisschen besser.  Gestern hat der EZB-Präsident nicht mehr und nicht weniger als den fortgesetzten Bruch aller Gesetze und ökonomischen Prinzipien verkündet. Der EURO wird in jedem Fall gerettet. Basta. Die Risiken der Staatsverschuldung werden rechtswidrig mit Vorsatz vom Kapitalmarkt zwangsweise auf den Steuerzahler verlagert, der die Bank rekapitalisieren muss, wenn sie pleite geht. Moodys kann ja leider die Bonität von Zentralbanken nicht einschätzen. Der “Sachverständige” Lars Feld, der auf dem Lehrstuhl von F.A. v. Hayek und Walter Eucken Platz genommen hat, beziffert das implizite Risiko, das Deutschland für den EURO trägt auf 3,3 Billionen Euro. DAS geht auf keine Vorhaut.

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